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KAB Diözesanverband Münster

Ansgar Jux

Es kann so einfach sein.

Kommentar von Ansgar Jux zur Fußball-WM in Katar 2022

Ich liebe Fußball. Seitdem ich laufen kann, kicke ich in Fußballmannschaften. Dieser Sport beinhaltet für mich mit seiner Strategie, mit seinem Teamwork, mit seinen Emotionen, mit der „Dritten Halbzeit“ alles, was ich grandios und bereichernd finde. Es ist ein toller Sport!

Und natürlich habe ich jede Fußballweltmeisterschaft gefeiert: Ich habe Nächte durchgejubelt, einige Tränen vergossen, Spieler bewundert, Mannschaften gehasst, unzählige Stunden mit Freunden Spiele im Fernsehen geschaut und Spiele analysiert, war sogar live im Stadion. Ich bin definitiv nicht das, was man unter einem „Patrioten“ versteht, aber alle vier Jahre wurde ich für ein paar Wochen zu einem „deutschen Fan“. Es hat Spaß gemacht.

Und Fußball kann – so wie jeder Sport – unglaublich viel bewegen und Menschen bereichern. Fair Play, Gewaltprävention, Toleranz, Respekt, Teamwork, Anti-Diskriminierung, Vielfalt, Persönlichkeitsentwicklung – der DFB und die FIFA lügen bei diesen Werbespots nicht. Ich selbst habe sehr viel für mein Leben gelernt und Fußball hat mich persönlich mitgeformt.

Und so habe ich mir die Argumente für und gegen die WM in Katar alle angehört, ständig abgewogen, mit vielen Freunden und Bekannten diskutiert, nach dem goldenen Weg gesucht, warum diese Fußball-WM doch auch etwas Gutes hat und es vielleicht doch möglich wäre, sie mit gutem Gewissen zu schauen. Schafft der Fußball doch durch diese mediale Aufmerksamkeit eine gesellschaftliche Veränderung in dem Land? Sollten meine Kinder nicht auch diese großen Fußballmomente miterleben, weil es zur Liebe zu diesem Sport dazugehört? Kann die Schönheit dieses Sports nicht auch unabhängig von Politik gesehen und genossen werden? Warum finden wir Flüssiggas aus Katar besser als übertragende Fußballspiele? Müssten nicht zuerst Politiker oder Fußballspieler die WM boykottieren, bevor ich es tue? Wem hilft es eigentlich, wenn ich den Fernseher auslasse? Und bestrafe ich mich am Ende nicht selbst damit?

Auf dem KAB-Seminar „WM in der Wüste – um jeden Preis?!“ in Günne traf ich dann Patrick Jelen, ein Mitinitiator der Bewegung „#BoycottQatar2022“. Er ist auch Fußballfan und reist ehrenamtlich durch Deutschland, um für den Boykott der WM zu werben. Die Seminarteilnehmer – auch ich natürlich – haben alle Register der Argumente gezogen, um doch irgendwie zu hören, dass es etwas Gutes habe könnte, die WM zu schauen. Aber stattdessen saß uns Patrick gegenüber und schaute uns immer nur verwundert oder fragend an. Es war faszinierend, weil er gar nicht verstand, was wir da trieben. Er gab uns keine Absolution. Er ließ uns keine Hintertür. Und dabei war er kein Prophet oder spielte sich allwissend auf, sondern formulierte in einfachen Worten die schlichte Wahrheit:

Ich kann kein WM-Fußballspiel schauen, wenn dafür Menschen sterben mussten.
Ich kann eine WM in Katar nicht feiern, wenn gleichzeitig Menschen wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Ausrichtung unterdrückt, verfolgt und eingesperrt werden.

Ich kann den Fußball nicht mehr unterstützen, wenn Katar geschätzte 150 Milliarden Dollar für die WM-Austragung ausgibt – und es „nur“ 14 Milliarden Euro kosten würde, um den weltweiten Hunger bis 2030 wirkungsvoll eindämmen zu können.

Ich liebe Fußball. Ein Ball, zwei Tore, 22 Spieler. Fußball ist ein einfacher Sport. Und die Welt kann auch einfach sein, wenn man ein Grundsatz lebt, der uns gerade auch als Christen immer bewusst sein sollte: Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold dieser Erde, weil sie*er ein Kind Gottes ist! Und wenn einem dazu kein Gegenargument einfällt, dann sollte man die WM in Katar boykottieren.

Ich werde es tun. Nicht allein, sondern ich werde die Zeit, in der die Spiele stattfinden, mit Menschen verbringen, die ich gernhabe. Denn ich liebe Menschen mehr als Fußball. Es kann so einfach sein.

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