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KAB Diözesanverband Münster

„Zeitgerechtigkeit ist eine hochpolitische Frage.“

Dülmen/Kreisdekanat Coesfeld. Die Arme der Zuhörer*innen erhoben sich zögerlich als Hermann Hölscheidt, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) seinen Vortrag „Alle Arbeit zählt“ bei der Bezirksversammlung der KAB in Dülmen mit dieser Frage eröffnete: „Wer hat heute schon gearbeitet? Bitte Hand heben." Für Hölscheidt keine ungewohnte Situation an einem Samstagmorgen. „Viele denken bei Arbeit nur an den Job“, sagte er. Dabei sei mit dem Begriff Arbeit viel mehr gemeint. „Kinder betreuen, der Schwiegermutter beim Anziehen helfen, sich für Demokratie ehrenamtlich engagieren – auch davon lebt eine Gesellschaft“, ergänzte er und führte einen weiteren Begriff ein: Zeitgerechtigkeit oder Zeit-Ungerechtigkeit. 

Ob die Zeit und die Arbeitszeit gut verteilt ist, sei nicht eine Frage der privaten Organisation in den Familien oder die Entscheidung eines einzelnen, sondern „eine hochpolitische Frage“, sagte Hölscheidt. An der Rente seien Folgen der Zeit-Ungerechtigkeit gut zu verdeutlichen: „Wenn Frauen mehr in der Erziehung und Pflege leisten, dann fehlen ihnen Rentenpunkte aus einer Erwerbsarbeit“, führte er aus. Die Folge sind deutlich geringere Renten als bei Vollzeitbeschäftigten. Deshalb setze sich die KAB dafür ein, dass Familien- und Sorgearbeit, ehrenamtliches Engagement und Erwerbsarbeit gleich viel wert sind und Menschen, die Sorgearbeit oder ein Ehrenamt leisten dadurch nicht von Altersarmut bedroht sein dürfen. 

Hendrik Clodius, ehrenamtlicher Bürgermeister aus Dülmen betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Ehrenamt für eine Gesellschaft und die Demokratie. 

In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmenden der Versammlung Vorschläge, was sich politisch ändern muss, damit weder Care-Arbeit noch ein Ehrenamt Menschen in Armut abrutschen lassen: Alle Berufsgruppen und Selbstständige zahlen in eine Rentenkasse ein. Care-Arbeit und Ehrenamt müssen in der Rentenberechnung gleichwertig werden. 

Nach der engagiert geführten Diskussion stand die Wahl des Leitungsteams auf dem Programm der Bezirksversammlung der KAB Coesfeld. Gewählt wurden: Pfarrer Antonel Lenghen, Günter Schlicker (beide Werne), Franz Josef Röwekamp und Michael Kreuznacht (beide Merfeld), Viktor Becks (Dülmen), Mechthild Büning (Rosendahl-Osterwick) und Theo Wulfert (Lünen). 

Text: KAB 
Foto: Ulrike Klorer 
21.04.2026

 

Das neu gewählte KAB Bezirksleitungsteam Coesfeld: (v. li.): Franz Josef Röwekamp (Dülmen-Merfeld), Pfarrer Antonel Lenghen, KAB-Bezirkspräses (Werne), Viktor Becks (Dülmen), Michael Kreuznacht (Dülmen-Merfeld), Günter Schlicker (Werne) und Mechthild Büning (Rosendahl-Osterwick). Es fehlt Theo Wulfert (Lünen).

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