DIÖZESANVERBAND

KAB fordert Kurswechsel in der Rente

Münster. Eine Sockelrente für alle Bürger unabhängig von der eigenen Erwerbsbiographie und ohne Bedarfsprüfung fordert die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. „Immer mehr berufstätige Menschen sind arm trotz Arbeit“, sagt Benedikt Kemper, KAB Rechts-Experte. Das hat weitreichende Folgen, denn wer wenig verdient, erhält später auch wenig Rente. Die KAB spricht sich deshalb für das „Cappuccino“-Rentenmodell der katholischen Verbände aus.

Das derzeitige Rentensystem ist insgesamt für zukünftige Generationen nicht armutsfest, kritisiert die KAB. Von Altersarmut besonders betroffen sind insbesondere Langzeitarbeitslose und diejenigen, die für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen die Erwerbsarbeit reduzieren oder gar für längere Zeit unterbrechen müssen. Dazu zählten auch jene Beschäftigten, die unfreiwillig nur befristete beziehungsweise Teilzeitstellen oder niedrig entlohnte Arbeit finden.

Schwierig an der aktuellen Rentenpolitik ist aus Sicht der KAB auch, dass die Rentenversicherung derzeit nur aus Beitragsmitteln der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die sogenannte Mütterrente zahle. Die jüngste Veränderung im Jahr 2014 belastet die Rentenversicherung mit rund 6,5 Milliarden Euro jährlich. Kindererziehung und Leistungen für Familien sind aber gesamtgesellschaftliche Aufgaben und müssten über Steuern finanziert werden, betont der katholische Sozialverband.

Das „Cappuccino-Rentenmodell“ basiert  auf drei Stufen: Die über Beiträge auf alle positiven Einkünfte finanzierte Sockelrente sichert das Existenzminimum ohne Bedürftigkeitsprüfung für alle Bürger und unabhängig von der Erwerbsbiographie. Alle Steuerpflichtigen zahlen Beiträge entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit für die Sockelrente ein und erhalten diese auch im Alter. Die Arbeitnehmerpflichtversicherung, die heutige gesetzliche Rentenversicherung, wird zu einer Erwerbstätigenversicherung ausgebaut, in die alle Erwerbstätigen Beiträge einzahlen und im Alter entsprechende Rentenleistungen erhalten. Für Kindererziehung werden sechs Jahre pro Kind angerechnet, Erwerbsminderung ist weiterhin abgesichert. Darüber hinaus findet ein jährliches Rentensplitting zwischen den Ehepaaren statt, Hinterbliebenenrenten gibt es nur noch für die Kinder. Die obligatorische betriebliche Altersvorsorge, die vom Arbeitgeber finanziert wird, ist ein weiterer Beitrag zu einer gerechteren Rente. Eine staatlich unterstützte private Vorsorge hilft, den Lebensstandard zu sichern.


Text: KAB
27.09.2017

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