DIÖZESANVERBAND

Welchen Tag haben wir eigentlich?

Oder: woran erkenne ich den Sonntag in Zeiten von Corona?

Ich sitze bei einem späten Frühstück am Küchentisch. Wie gestern und vorgestern und wahrscheinlich auch morgen. Es ist still. Keine Autos auf der Straße, kaum Fußgänger*innen. Die Sonne scheint. Durchs offene Fenster weht ein kühler Wind.

Welcher Tag ist heute eigentlich? Ich kann mich nicht erinnern. Ich schalte das Radio an. Sonntagsmagazin. Okay, heute ist Sonntag, aber noch spüre ich es nicht. Die Glocken läuten nicht, ich gehe nicht zur Kirche, der Gottesdienst ist abgesagt. Ich besuche nicht die Pfarrbücherei. Bis auf weiteres geschlossen.

Was tue ich heute?

Ich könnte meine Onlinefortbildung fortsetzen, wie gestern und vorgestern und morgen wahrscheinlich auch. Ich kann ein paar Youtube-Videos schauen oder einen Spaziergang machen, wie gestern und vorgestern und morgen wahrscheinlich auch. Frische Luft ist gut fürs Immunsystem und die Ansteckungsgefahr eher gering. Ich kann nicht ins Cafe gehen, wie ich es sonst manchmal am Sonntag tue. Alles geschlossen. Kann nur noch Essen online oder per Telefon bestellen mit kontaktfreier Lieferung. Sollte ich vielleicht tun, um einem Restaurant das Überleben leichter zu machen. Ich könnte sogar in den Supermarkt gehen, wie gestern und vorgestern und morgen wahrscheinlich auch. Sonntagsöffnung der Lebensmittelläden ist in Zeiten der Pandemie erlaubt.

Sonntag und Werktag - ein einziger Zeitbrei. Kaum unterscheidbar. Ich muss den Unterschied selbst markieren. Heute ist Sonntag. Der PC bleibt aus. Die Waschmaschine auch. Ich suche keinen offenen Supermarkt. Ich zünde zuhause eine Kerze an, lese einen Bibeltext und heute Nachmittag koche ich mir einen guten Lady Grey und genieße ihn mit den leckeren Keksen, die noch im Schrank liegen.

Sonntag. Ich kann anders handeln, anders sein als gestern, vorgestern und morgen auch. Ich kann den Sonntag als besonderen Tag markieren, aber ich muss es selber tun, denn die Gesellschaft tut es in der Krise nicht.

Aber halt, heute Abend ein neuer Tatort in der ARD. Gott sei Dank – wenigstens das bleibt.


Text: Ortrud Harhues
Foto: Heike Honauer
24.03.2020

KAB-Büro eingeschränkt zugänglich.

Besuche und Beratungen in einem der drei Büros der KAB im Bistum Münster sind für Publikum nur nach vorheriger telefonischer Absprache möglich. Sie erreichen die Büros in Münster, Dülmen und Wesel telefonisch von Montag bis Freitag von 09:30 – 13:00 Uhr.

Veranstaltungen abgesagt.

Die KAB im Bistum Münster sagt alle Präsenzveranstaltungen bis auf Weiteres ab. Neue Infos hier: www.kab-muenster.de und www.kab-bildungswerk.de.

Bestellung Newsletter
Offener Brief an den Ministerpräsidenten.

Haltern am See. Mit einem gemeinsamen offenen Brief wenden sich die katholische...
> MEHR LESEN

„Was bleibt?“ – Gruppenarbeit nach dem Shutdown

Münster. Das Leben der Vereine und Gruppen lag in den vergangenen Montane nahezu...
> MEHR LESEN

Virtuelle Kapelle

Die Zeichen der Zeit in Zeiten der Corona-Krise erkennen bedeutet, den Blick von dieser...
> MEHR LESEN

KAB und Kossen begrüßen schärfere Regelungen für Fleischbranche

Münster. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster und...
> MEHR LESEN