DIÖZESANVERBAND

„Wir sind die Trüffelschweine der Sozialpolitik.“

Peter Bührmann, stellvertretender KAB-Landesvorsitzender aus Vechta.

Peter Bührmann liebt Autos. Das ist nicht schlecht, wenn man, wie der 61-jährige stellvertretende KAB-Landesvorsitzende aus Vechta, von Beruf Kraftfahrer ist. Ebenso leidenschaftlich wie seine Liebe zu Autos ist sein Engagement für mehr Gerechtigkeit. Dies hat ihn nicht nur zur KAB geführt sondern mit der KAB zur Gründung des Netzwerkes für Menschenwürde in der Arbeitswelt, kurz MIDA genannt.

Seit 2012 ist Bührmann aktiv im Netzwerk MIDA. „Wir haben damals mit der Gewerkschaft NGG vor den Toren eines Schlachtbetriebes in Essen/Oldenburg eine Demonstration gegen Sonntagsarbeit gemacht“, erinnert er sich. Mit dem damaligen Prälat Peter Kossen als Redner für die beteiligten katholischen Verbände. Danach seien rumänische Leiharbeiter auf ihn und die KAB zugekommen. „Sie haben von dem erzählt, was sie in den Schlachtereien erleben, und gefragt, ob wir ihnen helfen können“, sagt Bührmann weiter. Die Erfahrungen der Leiharbeiter schockierten und seine Mitstreiter zutiefst. „Wuchermieten für menschenunwürdige Unterkünfte, Arbeitszeiten bis zu 15 Stunden am Tag, viel zu niedrige Löhne und selbst die werden manchmal willkürlich zurückgehalten, so dass die Arbeiter mittellos dastehen“, zählt Bührmann auf und schüttelt den Kopf. „Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass das in Deutschland möglich ist“, sagt er.

Heute sind 16 Organisationen gemeinsam mit der KAB im Netzwerk MIDA organisiert. MIDA kümmert sich in erster Linie um osteuropäische Leih- und Werkvertragsarbeiter. Drei Jahre lang hat das Netzwerk eine Beratungsstelle für sie unterhalten. Dort hat ein Rechtsanwalt die Arbeiter beraten. Unentgeltlich. Inzwischen hat der Caritasverband die Beratungsstelle übernommen. Sie wird nun von den Landkreisen Vechta und Cloppenburg sowie dem Offizialat Vechta finanziert. „Das ist ein wichtiger Erfolg für die Leiharbeiter und für MIDA“, sagt Peter Bührmann.

Der Kontakt mit den Leiharbeitern und das Engagement in MIDA haben auch den Kraftfahrer Peter Bührmann verändert. Er sähe die Menschen mit anderen Augen als vorher, bekennt er. „Sie erledigen eine wichtige Arbeit für uns“, erklärt er. „Früher war mir das nicht so bewusst. Heute ziehe ich den Hut vor diesen Menschen. Was nehmen sie nicht alles auf sich? Fern ihrer Heimat, von den Familien und Freunden getrennt. Sie gehen weg, um Geld zu verdienen, damit sie ihren Familien ein besseres Leben bieten können. Das, was wir alle hier auch wollen und tun.“

Der KAB-Mann erträgt es kaum, wenn die osteuropäischen Arbeiter verhöhnt werden. Das erlebe er allzu oft, sagt er schaudernd. Dabei könne man gegenseitig so viel voneinander lernen. Von seinem Freund aus Polen habe er selbst viel über Menschlichkeit gelernt. Er selbst erkenne nun viel deutlicher, was die deutsche Gesellschaft verloren habe: „Hier schaut jeder nur auf sich selbst“, sagt Bührmann nachdenklich. „Es fehlt zu oft das Miteinander.“

Peter Bührmann weiß, dass noch eine Menge Aufgaben vor ihm und allen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, liegen. Es schreckt ihn nicht. „Man kann mit einfachen Mitteln so viel erreichen“, schwärmt er. „Sich hinstellen und in aller Öffentlichkeit mit dem Finger auf den Betrieb, die Verleihfirmen und Menschen zeigen, die so schlecht mit anderen Menschen umgehen. Es braucht etwas Mut und es braucht Verbündete – dann geht ganz viel.“

Die KAB habe dann die Aufgabe, diese Missstände politisch zu bekämpfen. „Wir in der KAB sind die Trüffelschweine der Sozialpolitik“, sagt er und lacht. „Wir finden Lösungen und müssen uns mit unseren politischen Kontakten stark dafür machen, dauerhaft Veränderungen hin zu einer fairen und existenzsichernden Arbeit für alle zu machen.“ Das könne er mit der KAB und den Menschen im Verband voranbringen und das mache ihm sehr viel Freude, betont er.

Dabei sieht Bührmann die KAB deutlich in der Tradition der kirchlichen Soziallehre und erklärt dies mit einem Bild: „Vor langer Zeit wurde von Bischof Emmanuel von Ketteler ein Pfeil abgeschossen, der in Richtung soziale Gerechtigkeit fliegt. Wir müssen diesem Pfeil immer wieder Schwung geben und hin und wieder die Flugrichtung korrigieren.“


Text: Heike Honauer und Stephan Eisenbart
Foto: KAB
13.08.2019

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