DIÖZESANVERBAND

Michael Kreuznacht, Sozialkaufhaus MuM

Michael Kreuznacht (rechts) im Familienurlaub in Günne.
Michael Kreuznacht (rechts) im Familienurlaub in Günne.

Dülmen-Merfeld. Ein schwerer Autounfall war eine Wende in Michael Kreuznachts Leben. Eine von vielen Wenden. Bis zu diesem Unfall war der Installateur- und Heizungsbaumeister aus Merfeld in seinem Beruf mit „Leidenschaft und ganzem Herzen unterwegs“. Heute kann er das sagen, ohne dass Wehmut aus der Stimme des 52-Jährigen klingt. Damals war es schwer für den vierfachen Familienvater aushalten zu müssen, dass er seinen Beruf wegen Spätfolgen des Unfalls aufgeben muss.

Michael Kreuznacht und seine Familie kennen Herausforderungen des Lebens. Seine Drillingssöhne wurden vor 18 Jahren mit unterschiedlichen Begabungen geboren – einer von ihnen sitzt schwerbehindert im Rollstuhl. Michael Kreuznacht nennt sich selbst einen „Praktiker“ und so geht er auch all diese Krisen an: anpackend. Als 2015 viele Geflüchtete nach Dülmen kamen und die Ökumenische Flüchtlingsinitiative Dülmen (ÖFID) dringend helfende Hände suchte, hat er sich sofort gemeldet. „Sie brauchten Praktiker, die den Neuankömmlingen Hilfe zur Selbsthilfe geben“, erklärt er. Betten organisieren, gespendete Esstische abholen, Schränke aufbauen. Gemeinsam mit den Geflüchteten. Das war eine Aufgabe, die ihm bis heute großen Spaß machte und die auch ihm half, durch schwere Zeiten zu kommen.

Aus der Hilfe für geflüchtete Menschen entstand schnell die Idee, eine Art „Sozialkaufhaus“ in Dülmen zu gründen. Einen Möbelhandel mit guten Gebrauchtmöbeln aus Spenden. Einen Laden, in dem alle einkaufen können – einkommensschwache Menschen, Neuankömmlinge und jene, die aus Gründen der Nachhaltigkeit lieber alte statt neuer Sachen kaufen. Im Januar 2016 war es soweit: Das gemeinnützige Sozialkaufhaus „MuM 24“ ging an den Start. Mit Michael Kreuznacht. An Freitagen und Samstagen trifft man ihn im Möbellager der MuM, wo er berät und verkauft. „Mittwochs liefere ich mit anderen ehrenamtlichen Helfern aus“, erzählt er. „Meist Helfer internationaler Herkunft“, ergänzt er und Stolz schwingt leise dabei mit. Er selbst fährt den großen Möbelwagen und leitet seine Kollegen beim Aufbau der Möbel an. Begeistert erzählt er von alten Eichenkommoden und intakten Waschmaschinen, von der Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen, vom Internetauftritt des MuM und davon, wie sich sein Engagement auch auf ihn selbst auswirkt.

„Ich würde sagen, dass es meiner Familie glücklicherweise wirtschaftlich gut geht“, sagt er nachdenklich. „Im MuM habe ich so viele Menschen kennengelernt, die bei Null wieder anfangen mussten und den Mut dabei nicht verloren haben.“ Das beeindrucke ihn stark. Wie auch das Erlebnis in der Möbelwagen-Fahrerkabine. „Wir waren zu viert unterwegs“, erinnert er sich: „Ein Syrer, ein Ghanaer, ein Afghane und ich, ein Deutscher“. Er lacht. „Drei davon haben sich über korrekt deutsche Grammatik unterhalten. Ich war nicht dabei.“ Inzwischen ist das Sozialkaufhaus in Dülmen eine Institution und die Helfer*innen so professionell, dass die Kunden*innen oder Spender*innen manchmal vergessen, dass die meisten Mitarbeiter*innen Ehrenamtliche sind. Auch Michael Kreuznacht ist inzwischen wieder erwerbstätig und arbeitet als Betreuungsassistent in einem Altenheim für Menschen mit Behinderungen. „Wenn ich im MuM-Lager bin, muss ich immer wieder erklären“, schmunzelt Kreuznacht, „dass ich die gekaufte Ware nicht jetzt sofort und auch nicht am Sonntag ausliefern kann, weil ich das alles, wie meine Kollegen auch, in meiner Freizeit für sie tue.“

Das MuM spielt eine große Rolle im Leben des KAB-Mannes Kreuznacht. Er mag die Idee, dass sich „Menschen mit wenig Geld sich einmal gute Möbel und andere Dinge leisten können, die nicht aus dem Ramschladen kommen.“ Er ist stolz, dass das Angebot des Sozialkaufhauses dort ankommt, wo es benötigt wird. Er liebt das Internationale seiner Arbeit. Dieses Engagement hat ihn auch wachsamer gemacht, meint er. „Soziale Gerechtigkeit ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie“, weiß der KABler. Alle müssen an dieser Gerechtigkeit teilhaben. „Wir müssen aufpassen, dass jene, die hadern, nicht in die Arme der sogenannten neuen Rechten laufen“, warnt er.

Auch wenn die Arbeit im MuM für den ehemaligen Heizungsbauer eine große Bereicherung ist, wünscht er sich eine Zukunft ohne ein Sonderkaufhaus für Arme: „Bei unserer Gründungsversammlung 2016 wurde einer der Gesellschafter gefragt, was er sich für das MuM in 10 Jahren wünscht. Seine Antwort war: Ich würde mir wünschen, dass das Sozialkaufhaus dann überflüssig wird.“

Dem, so versichert Michael Kreuznacht, schließe er sich unbedingt an.

Weitere Informationen zum Sozialkaufhaus MuM: www.mum-24.com 


Text: Heike Honauer
Foto: privat
06.05.2020

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