DIÖZESANVERBAND

Klaus Mees, Autor der „Virtuellen Kapelle“

Bocholt. Seit seinem Studium hat Klaus Mees eine Schwäche für Postkarten mit „klugen Sprüchen“. Ein Spruch, der ihn seit damals begleitet, lautet: „Das Gebet verändert nicht Gott, aber es verändert den Menschen.“ Für den KAB-Mann heißt beten also nicht, „Gott lange genug mit einer Sache in den Ohren liegen, bis das eintritt, was wir gern wollen“. Für ihn wirkt Gebet in der Weise, wie es die Spruchkarte zeigt oder wie Mees es selbst formuliert: „Beten hilft, weil ich daraus Kraft schöpfe, um Dinge zu verändern oder auch anzunehmen.“

Den Alltag ins Gebet nehmen
Klaus Mees ist im Hauptberuf Pastoralreferent und arbeitet als Seelsorger in Altenheimen. In seiner Freizeit schreibt er Gebete und meditative Texte für die „Virtuelle Kapelle“ der KAB. Die Nähe zum Alltag der Menschen und zu politischen Entwicklungen und eine verständliche Sprache zeichnen seine Texte aus. Auf die Frage, warum er selbst Gebete verfasst statt auf bereits vorhandene zurückzugreifen, antwortet er vorsichtig: „In vielen Gebeten und biblischen Texten kommen die Themen nicht in der Deutlichkeit vor, wie wir es uns für die KAB-Kapelle wünschen“, sagt er und erklärt, was er damit meint: „Zum Wesen der KAB gehört es, die Arbeitswelt und die sozialen Verhältnisse im Blick zu haben. Sich einmischen und engagagiert für die Benachteiligten zu streiten – das muss die KAB tun. Deshalb sollen unsere Gebete gerade nicht glatt von der Zunge gehen.“

Aus welchem Geist heraus handeln?
Klaus Mees schreibt gerne. Er liest viel und schreibt auch Gedichte. Immer in heutiger Sprache. Oft an konkreten Anlässen angelehnt. „Spirituell sein“ ist für ihn nichts Abgehobenes oder klassisch Frommes - es ist vielmehr die Geisteshaltung, mit der Mees seinen Mitmenschen und der Welt begegnet. Die Haltung, aus der heraus er denkt und handelt, sagt er.

Wenn man mit dem 58-Jährigen über sein Verständnis von Spiritualität der KAB spricht, fallen Worte wie „kritisch“, „unbequem“ oder „prophetisch“. Es ist diese Tradition der biblischen Propheten, die den Theologen fasziniert. Jene „Rufer“, die Missstände anprangern und sich mit ihrem Gebet stark machen für die Schwächeren. Auch bei seinen Texten, so Mees, überwiege die Form des Bittgebetes. „Dabei“, meint er nachdenklich, „bräuchte es in Zukunft vielleicht mehr die Klage über Dinge, die im Argen liegen oder auch mehr den Dank für das Gute, was schon ist.“

Digitalisierung im Gebet
Seit 2010 erscheinen einmal im Monat Gebetsanregungen auf www.kab-muenster.de. Zusammen mit KAB-Präses Michael Prinz verfasst Klaus Mees die Texte und Gebete. Die beiden wählen Bibelstellen aus und empfehlen passende Lieder. Jede Gebetsanregung steht unter einem Thema, das sich an Feste im Kirchenjahr oder an gesellschaftliche Entwicklungen anlehnt. Die aktuelle Gebetsanregung nimmt „Freiheit und Digitalisierung“ ins Gebet. Für ihn eine echte Herausforderung, sagt Mees. Klar, sei sein Leben digitaler als noch vor einigen Jahren, aber „ich habe nur eine begrenzte Vorstellung davon, was heute in Büros oder Industrie und sogar in der Landwirtschaft tatsächlich möglich ist.“

Klaus Mees schätzt es sehr, gemeinsam mit KAB-Präses Michael Prinz die Texte für die Virtuelle Kapelle zu erarbeiten. „Michael Prinz stellt oft ein konkretes Anliegen in den Mittelpunkt und findet dazu passende Texte der katholischen Soziallehre und Verbindungen zu biblischen Texten“, erklärt er die Zusammenarbeit. „Ich ergänze dann Gebete und Fürbitten, die ich so offen formuliere, dass jeder seine eigenen Erfahrungen mitdenken kann.“

Den eigenen Erfahrungen zu trauen, ist ihm wichtig. Auch bei den Gebetsanregungen. „Wer unsere Anregungen zur Hand nimmt“, sagt er „darf auswählen und ergänzen, umformulieren und kürzen, um sie zu seinem Gebet zu machen und damit seine Erfahrungen und Gedanken ins Gebet zu nehmen.“

Hat Klaus Mees ein Lieblingsgebet? Er denkt nach. Lieblingsgebet sei nicht das richtige Wort, aber jenes, das er im November 2018 zum Thema „Zachäus, der Zöllner“ schrieb, sage viel über sein Denken aus:


Gott des Lebens,
wo wir auf Kosten anderer
beweg du uns zur Umkehr.
    
Gib uns den Mut,
die eingefahreren Wege zu verlassen,
vom Baum aus Ausschau zu halten
und auf dich zu warten – zu hoffen.

Wo wir uns äußerlich reich,
aber innerlich leer,
einsam und wertlos fühlen wie Zachäus,
da ruf uns auf den Boden der Tatsachen zurück
und führ uns zu einer heilsamen Begegnung
mit uns selbst.

Hilf uns,
deine Zuwendung und Liebe
zu spüren
– wie Zachäus –,
wenn du uns rufst.


Text: Heike Honauer
Foto: privat
14.03.2019

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