DIÖZESANVERBAND

Hermann Uphues und der „Mittagstisch Lambertiplatz“

Hermann Uphues.

Coesfeld. Am Nikolaustag 1999 öffnete der „Mittagstisch Coesfeld“ zum ersten Mal seine Türen: Damals nahe am Bahnhof gelegen, das Angebot einer warmen Mahlzeit für kleines Geld, zweimal die Woche, initiiert von der katholischen und der evangelischen Gemeinde Coesfeld sowie der örtlichen Caritas und getragen von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Vor einigen Jahren ist der Mittagstisch in die Stadtmitte umgezogen, heißt nun „Mittagstisch Lambertiplatz“ und hat jeden Tag geöffnet. 365 Tage im Jahr.

In diesem Jahr (2019) wird der Mittagstisch 20 Jahre alt. Hermann Uphues, KAB-Urgestein aus der Gemeinde Anna Katharina, war von Anfang an dabei. „Ich bin quasi ein Mann der ersten Stunde“, schmunzelt er. Noch heute ist der 82-Jähige für den Mittagstisch aktiv – im Steuerungskreis und als Helfer bei der Essensausgabe. Und wenn mal eine Lampe kaputtgeht oder der Abfluss im Spülbecken verstopft ist, „dann rufen sie mich“, lacht der ehemalige Facharbeiter einer Ziegelei. Für Hermann Uphues ist das keine echte Last, er mag das. Befragt man ihn nach seiner Motivation, so sagt er schlicht: „Das Ehrenamtliche hat in unserer Familie Tradition.“

Schon bald nach der Eröffnung erweiterte der Mittagstisch seine Öffnungszeiten von zwei auf vier und schließlich auf alle Tage der Woche. Egal ob Sommer oder Winter, Ostern, Weihnachten oder Silvester – der Mittagstisch hat von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr geöffnet. Manche Tage unterscheiden sich auch beim Mittagstisch Lambertiplatz vom Alltag: Am Nikolaustag gibt es Stutenkerle für alle und am 24. Dezember schließt der Raum erst um 16 Uhr seine Pforten. „Heiligabend gibt es ein besonderes Essen, danach Kaffee, Kuchen und Plätzchen und alle können länger beisammen sitzen“, beschreibt Hermann Uphues diesen Tag. Manche lesen dabei Zeitung, andere sitzen am großen runden Tisch und unterhalten sich, manche genießen einfach still das Dasein.

Um die 15 Personen essen täglich in den Räumen nahe der Lambertikirche, erzählt der KAB-Mann weiter. Manche sind von Anfang an dabei. 1,50 Euro bezahlen die Gäste für die warme Mahlzeit mit Nachtisch. Den Pott Kaffee gibt es für 50 Cent. Die Tageszeitung liegt aus und die MitarbeiterInnen wie Hermann Uphues haben ein offenes Ohr für ihre Gäste.

„Wenn wir um halb eins aufschließen, stehen die Leute schon Schlange“, berichtet Hermann Uphues. Es kommen Menschen, die, so Uphues, „mit jedem Cent rechnen müssen“ sowie ältere Menschen, die das gemeinsame Essen schätzen und, so sagt er nachdenklich, „inzwischen auch jüngere Leute, die keine Wohnung, keine Arbeit haben, auch Mütter mit ihren Kindern.“ Eingeladen sind alle, betont er. „Jeder kann kommen, niemand muss einen Berechtigungsschein oder Ähnliches vorlegen.“

Der Mittagstisch finanziert sich ausschließlich durch Spenden: Geldspenden für das Essen, das vom Krankenhaus Coesfeld zubereitet wird, und für andere Notwendigkeiten. Sachspenden wie den täglichen Nachtisch von einer örtlichen Molkerei oder Kuchen und Plätzchen von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Ehrenamtlich Engagierte wie Hermann Uphues halten das Projekt am Laufen. Einmal im Monat treffen sich alle Helfer und Helferinnen zum gemeinsamen Frühstück. Hermann Uphues schätzt diese Treffen sehr. „Da wird der Dienstplan verabredet und auch Fragen der Helfer oder Probleme besprochen. Das ist gut für den Zusammenhalt.“ Noch nie, so betont er, sei in diesen 20 Jahren der Mittagstisch mangels HelferInnen ausgefallen. Er ist froh, dass so viele Ehrenamtliche mitmachen und dieses Angebot sichern. „Wir könnten auf den Mittagstisch nicht verzichten, weil einfach so viele Menschen kommen“, sagt er.

Am 6. Dezember 2019, dem Nikolaustag und einen Tag nach dem „Internationalen Tag des Ehrenamtes“, wird das 20-jährige Jubiläum gefeiert. So wie es sich für den Mittagstisch gehört: Ab 12:30 Uhr mit den Gästen, die täglich kommen, mit geladenen Gästen, mit allen Helfern und Helferinnen und mit Grünkohlessen, Kaffee und Stutenkerlen für alle.

Wer den Mittagstisch unterstützen möchte:
Kirchengemeinde St. Lamberti Coesfeld
Stichwort Mittagstisch Lambertiplatz
Sparkasse Westmünsterland
IBAN: DE29 4015 4530 0037 3807 14
BIC: WELADE3WXXX


Text/Foto: Heike Honauer, KAB
04.12.2019

KAB-Büro eingeschränkt zugänglich.

Besuche und Beratungen in einem der drei Büros der KAB im Bistum Münster sind für Publikum nur nach vorheriger telefonischer Absprache möglich. Sie erreichen die Büros in Münster, Dülmen und Wesel telefonisch von Montag bis Freitag von 09:30 – 13:00 Uhr.

Veranstaltungen abgesagt.

Die KAB im Bistum Münster sagt alle Präsenzveranstaltungen bis auf Weiteres ab. Neue Infos hier: www.kab-muenster.de und www.kab-bildungswerk.de.

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