DIÖZESANVERBAND

Claudia Völkering, Kaktusblüte.

Claudia Völkering (1. v. li.) und die Kaktusblüten.

Haltern am See. Eine gemütliche Runde in der Küche eines Recklinghäuser Reihenhauses war schuld. Damals 1990. Da saßen junge Frauen zusammen, die aus ihrem Jugendverband Christliche Arbeiterjugend (CAJ) herausgewachsen waren und sich bereit machten, ihren Erwachsenenverband – die KAB – etwas aufzumischen: Die Geburtsstunde der Frauenkabarettgruppe „Die Kaktusblüten“ aus dem KAB-Bezirk Recklinghausen. Claudia Völkering aus Haltern am See ist eine der Kaktusblüten und von Anfang an dabei.

Der Anlass, so erinnert sich die heute 57-Jährige, war der erste Frauentag der KAB im Bistum Münster. „Das Mutti“ hieß ihr Stück bei diesem Frauentag. „Es ging damals um die Verwandlung von Frauen“, erzählt Völkering. Der Sketch griff die Beobachtung auf, dass sich die unterschiedlichsten Frauen in Führungspositionen nach der Geburt eines Kindes in „das Mutti“ verwandeln. „Ein im ewig mit Brei bekleckert T-Shirt-Jeans-Einheitslook-erscheinenden Wesen“, lacht Völkering.

Keine aus der Vorbereitungsrunde ahnte damals, wie viele abendfüllende Auftritte folgen sollten und dass die Kaktusblüten rund 30 Jahre später noch immer „frech, frivol und nachdenklich“ – wie die Recklinghäuser Zeitung einmal schrieb – jede Bühne zu der ihren machen würden.

Der Name ist Programm
Einen Namen fanden die jungen Frauen recht flott. „Die Kaktusblüten“ gefiel allen, berichtet Völkering. „Unser Name ist Programm“, sagt sie. „Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltungen“ seien nicht ihr Ding. „Wir wollen durchaus Stacheln haben und zustechen“, erzählt sie weiter, „ aber kein Kaktus ist so dicht mit Stacheln übersäht, dass er nicht noch irgendwo Platz für eine Blüte hätte.“ Sticheln und blühen und dem Publikum einen Spiegel vorhalten – so stellen die KABlerinnen sich ihr ideales Programm vor. Ganz in der Tradition der früheren „Narren“ wollen sie die Menschen zum Nachdenken über sich selbst und ihre Gesellschaft anregen. Dafür mimen sie Frauen, die sich beim Schönheitschirurgen Prof. Dr. Faltenweg quasi recyceln lassen, rechnen mit dem Lieblingssport der Deutschen – Rabatt- und Schnäppchenjagd – gnadenlos ab oder lassen den „Schöpfer“, der die Menschheit wegen grober Körperverletzung des Planeten Erde anklagt, plötzlich selbst als Angeklagten dastehen.

Rente, Kirche, Schönheit
Alles, was die fünf Frauen an Sticheleien auf die Bühne bringen, ist von vorne bis hinten original Kaktusblüte: Von Anfang an haben sie ihr Programm komplett selbst geschrieben. Die Themenpalette ist riesig. „Rente, Frauen in der Kirche, Fremde, Schönheit, Fitness, das tägliche Leben, Gendermain, Werbung, Umwelt“, zählt Claudia Völkering die Themen des aktuellen Programms auf. Die Ideen finden sie, „weil wir mit weit offenen Augen unsere Umgebung anschauen“, erklärt sie. Die Methode der Beobachtung ist einfach und anspruchsvoll zugleich: „Wir hören gut hin, was die Leute sagen. Wir nehmen kirchliches, politisches und zeitgenössisches Unbehagen wahr und werden so auf Missstände aufmerksam.“ Und diese verarbeiten sie in ihren Stücken. „Meist fängt eine an, schreibt die ersten Sätze auf und gemeinsam verfeinern wir dann die ganze Situation und die Dialoge“, beschreibt die Halteranerin den Prozess der Stücke-Entwicklung. Die meisten Texte schreibt Andrea Kleinwächter aus Recklinghausen. Dann wird gemeinsam ausgehandelt, wer die Texte spricht und jede darf ihren Text an die eigene Art zu sprechen angleichen. Für die Kostüme sorgt meist Brigitte Droste aus Haltern am See – findet sich kein passendes Kleidungsstück in den Schränken von Familie und Freunden*innen, näht sie die Kostüme für die ganze Gruppe.

Ungerechtigkeit nicht länger hinnehmen
Das hört sich nach viel Arbeit an und das ist es auch, gibt Claudia Völkering zu. Texte schreiben, Sprechproben, Dialoge umarbeiten, proben, Kostüme nähen oder besorgen, proben, Requisiten aussuchen, wieder proben – es dauert viele Stunden bis ein Programm steht. Das alles ehrenamtlich neben Job, Haushalt, Familie und weiteren Ehrenämtern unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer einfach. Claudia Völkering muss lachen. „Kurz vor einer Aufführung steigt die Nervosität enorm an“, schmunzelt sie. „Dann fragen wir uns schon: Warum tun wir uns das alles an?“

Wenn das Publikum herzhaft lacht, nachdenklich innehält oder bei hintergründigen Sätzen verhalten applaudiert, weiß Claudia Völkering, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat. „Wir wollen unsere Zuhörer und Zuhörerinnen ermuntern, selbst kritischer auf das Leben zu schauen“, so die Kaktusblüte und erklärt dies so: „Oft nehmen die Menschen Ungerechtigkeiten einfach hin statt sich zu wehren oder für andere einzustehen. Ich freu mich, wenn wir sie ermutigen können, den ein oder anderen ersten kleinen Schritt zu tun.“

„Es hat uns zusammengeschweißt.“
Seit fast 30 Jahren ist Claudia Völkering eine Kaktusblüte. „Wir haben viel gemeinsam erlebt“, sagt sie. „Abseits der Bühne und auf der Bühne. Ich möchte unsere vielen Treffen und Proben und Auftritte nicht missen. Es hat uns wirklich zusammengeschweißt.“

Die Kaktusblüten sind:

  • Claudia Völkering, Haltern am See
  • Brigitte Droste, Haltern am See-Lippramsdorf
  • Andrea Kleinwächter, Recklinghausen
  • Renate Lammering, Coesfeld
  • Ulrike Meusener, Haltern am See-Flaesheim


Kontakt und Infos: Claudia Völkering, ClaudiaDetlef@t-online.de, Tel. 02364 168098


Text: Heike Honauer
Foto: Detlef Völkering
22.02.2019

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