DIÖZESANVERBAND

Angelika Meteling, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Angelika Meteling, Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Südlohn. Die erste Ausbildung war geschafft - doch der damals 21-jährigen Bäckereifachverkäuferin fehlte etwas. Eine Freundin meinte obendrein noch, sie sei doch „voll der Krankenschwesterntyp“ und letztlich wurde Angelika Meteling genau das: Krankenschwester. Auch heute, nach gut 30 Jahren im Beruf, ist es immer noch ihr Wunschberuf. „Ich fand es immer schon toll, mit Menschen zu arbeiten“, sagt die heute 52-Jährige. „Ich wollte helfen, was Gutes tun und medizinisch interessiert war ich auch noch. Da passte das Berufsbild der Krankenschwester einfach genau für mich.“

Ist es auch noch immer ihr Traumberuf? Angelika Meteling zögert. Dann berichtet sie davon, was sich in den 30 Jahren ihres Berufslebens verändert hat. Sie erzählt, wie die Arbeitsbelastung gestiegen ist, wie wenig Zeit für den Einzelnen bleibt, seit sogenannte „Fallpauschalen“ eingeführt wurden und oft, so sagt sie „das Arbeiten ein Hetzen durch die Zimmer ist“. Im Nachtdienst hat sie sich ein Ritual zulegt: „Wenn ich Nachtschicht habe, nehme ich mir zu Beginn der Schicht mehr Zeit beim Gehen über die Station“, sagt sie lächelnd. Sie habe so schon „wunderbare Gespräche geführt“, schwärmt sie weiter. „Menschen erzählen plötzlich aus ihrem Leben und ich spüre eine tiefe Verbundenheit und Achtung. In diesem Moment,“ so kommt Meteling plötzlich auf meine Frage zurück, „ist mein Beruf mein Traumberuf.“

Wie früher zu Beginn ihrer Ausbildung will Angelika Meteling auch heute eine „gute Schwester“, wie es nennt, sein. Das sei nicht immer leicht, weil ihre Haltung zur Pflege sich verändert hat und dies mehr Zeit braucht. „Nach der Ausbildung glaubte ich, eine gute Schwester hilft den Patienten möglichst viel und tut alles für sie.“, erklärt sie. „Im Laufe der Zeit hat sich mein Verständnis grundlegend geändert. Ich helfe den Patienten bei der Körperpflege oder anderen Aktivitäten, wenn sie es selbst nicht können. Mein Ziel ist, die Patienten zu motivieren, möglichst selbständig zu handeln. Von mir bekommen sie dann Tipps dafür.“

Angelika Metelings Locken wippen energisch, wenn sie erzählt. Die KAB-Vorsitzende aus Südlohn hat einen kritischen Geist. Selbstbestimmung ist ihr ein wichtiges Gut. Auch und gerade in ihrem helfenden Beruf; dazu Respekt, Gerechtigkeit und ihr christlicher Glaube. Die Katholische Soziallehre gewinne mehr und mehr an Bedeutung für sie. Umso bedenklicher findet sie, dass „das Gesundheitswesen zu einem ausgeprägten Wirtschaftsfaktor geworden ist.“ Die Krankenpflegerin findet deutliche Worte: „Es geht gefühlt nicht mehr um den Menschen, sondern ums Geld.“ Dies müsse sich ändern; schnell ändern. Nicht erst seit der Corona-Pandemie fehlen Betten und Personal. „In den Krankenhäusern wurden seit Jahren Betten gespart, Ärzte angehalten kostendeckend zu arbeiten, Pflegestellen abgebaut. Jetzt fehlt Personal an allen Ecken und Enden.“ Angelika Meteling weiß genau, wovon sie spricht und wer das aus ihrer Sicht zu verantworten hat: „Jetzt merken plötzlich alle, wo die Politik am falschen Ende gespart hat“, kritisiert sie.

Es sprudelt geradezu aus der aktiven Frau heraus, wenn man sie fragt, was sich in der Gesundheitspolitik ändern müsste. „Krankenhäuser gehören in die öffentliche Daseinsvorsorge“, fordert sie. „Privatisierung und Gewinnorientierung haben beim Thema Gesundheit nichts verloren.“ Und eine deutliche „Abspeckung der Dokumentationspflicht von jedem Handgriff, den wir oder die Ärzte tun“, hielt sie auch für angebracht. Ein solidarisches Gesundheitssystem, in das alle Berufstätigen einzahlen sowieso.

Zurzeit arbeitet die Südlohnerin auf einer geriatrischen Station vor allem im Nachtdienst. In ihrem Krankenhaus ist noch kein Corona-Patient, im gesamten Klinikverbund, zu dem das Krankenhaus gehört, allerdings schon. Es sei ruhig. Die Krankenhäuser bereiten sich vor. Meteling weiß aber auch „die Situation kann sich ganz schnell ändern.“ Schon jetzt dürfen keine Angehörigen mehr die alten Menschen auf ihrer Station besuchen. Das fehlt. Den Patienten und manche helfende Hand auch den Pflegenden.

Doch Angelika Meteling ist vom Klagen Lichtjahre entfernt. Sie schöpft Kraft aus dem Glauben, findet Abstand und neue Sichtweisen auf das eigene Tun beim Lesen von biblischen Texten und in der Begegnung „mit Menschen, die mir guttun und mir Geborgenheit geben“. Wie ihre Familie. „Und beim Sport merke ich, wie gut es mir tut, mich mal so richtig auszupowern“, lacht sie.

Viele Erfahrungen aus ihrer Arbeit, dem Umgang mit Patienten oder deren Haltung zu Medizin und Gesundheit nimmt die Krankenschwester mit in ihr politisches Denken und ihr ehrenamtliches Engagement bei der KAB. Erschreckend findet sie beispielsweise, wie schnell und recht leicht seit Beginn der Corona-Krise „Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit ausgesetzt werden oder wie leicht wir bereit sind, uns mit Apps überwachen zu lassen.“ Das passt nicht zu ihr. Zu einem Menschen, die es liebt mit den Händen und mit ihrem Verstand zu arbeiten und zu einer Kranken- und Gesundheitspflegerin, die Menschen in ihrer Selbstverantwortung bestärken will.

Die Solidarität, die sie derzeit in der Corona-Krise erlebt, findet sie gut. Sie wünscht sich, dass das nach Corona so weitergeht – für die Pflege, für die Umwelt, für die Gesellschaft. „Denn“, so sinniert Angelika Meteling, „jetzt gilt es genau hinzuschauen, auch mit Blick auf die kommenden Generationen.“


Text: Heike Honauer
Foto: privat
16.04.2020

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