DIÖZESANVERBAND

„Wir sind oft nicht mehr da, wo Menschen sich heute treffen.“

Ansgar Jux und Elisabeth Hönig gehören zur "Bauleitung" der KAB, die den katholischen Verband zukunftsfähig machen will.
Ansgar Jux und Elisabeth Hönig gehören zur "Bauleitung" der KAB, die den katholischen Verband zukunftsfähig machen will.

Die KAB im Bistum Münster hat sich für den Sommer und Herbst 2019 viel vorgenommen: Sie durchleuchtet den eigenen Verband, um ihn dort umzubauen, wo er nicht zukunftsfähig scheint. „Baustelle KAB“ heißt dieser Prozess, der im Frühjahr 2019 gestartet ist. Elisabeth Hönig und Ansgar Jux sind Teil der Steuerungsgruppe. Über die Gründe, solch ein Vorhaben anzupacken und was sich die KAB davon erhofft, davon erzählen sie hier:

Die KAB hat eine Arbeitsphase gestartet, die heißt „Baustelle KAB“ – was hat es damit auf sich?

Ansgar Jux: Unser KAB-Diözesanverband ist ja wie ein Haus, das in die Jahre gekommen ist. Die Grundsubstanz ist nach wie vor großartig, aber der Putz bröckelt. Damit das Haus nicht langsam verfällt, müssen wir es renovieren und an die heutige Zeit anpassen.

Elisabeth Hönig: Wir als Diözesanvorstand verstehen uns in diesem Bild als „Bauherr“. Weil wir viele Mitdenker*innen beteiligen möchten, haben wir „Bautrupps“ ins Leben gerufen. Die Bautrupps sollen die Gestaltung von sechs besonders wichtigen „Räumen“ unseres Verbandes erarbeiten. Aus deren Entwürfen baut die vierköpfige Bauleitung einen „Gesamtbauplan“ für einen attraktiven und starken Verband.

Vor welchen Herausforderungen und Problemen seht ihr Verbände wie die KAB heute?

Elisabeth Hönig: Die Probleme sind vielfältig und für viele unserer engagierten Mitglieder auch erdrückend. Ein christlicher Verband wie die KAB leidet zum Beispiel am Bild der Kirche in der Gesellschaft, der Altersstruktur der Mitglieder und dem Verhalten von Menschen, sich eher kurzfristig und für zeitlich befristete Projekte engagieren zu wollen. Die Masse an Angeboten und Informationen im realen und digitalen Leben ist inzwischen riesig. Inmitten dieser Masse müssen Verbände bestehen und sichtbar machen: Hej, bei uns kannst du mitmachen und etwas bewegen.

Ansgar Jux: Wir sind überzeugt, dass unsere Themen richtig gut, topaktuell und sehr nah am Menschen dran sind. Unsere Vision der Tätigkeitsgesellschaft mit dem garantierten Grundeinkommen, dem Mindestlohn, dem Rentenmodell, der Triade der Arbeit, unserem Blick auf die Digitalisierung von Arbeit und Leben – das sind wertvolle Beiträge zur politischen Diskussion in diesem Land.

Wenn doch die Themen stimmen, warum ist das Haus KAB dann baufällig?


Ansgar Jux: Weil sich unsere Organisationsform und unser Auftreten nicht wirklich mit der Gesellschaft weiterentwickelt haben. Wir sind zum Beispiel oft nicht mehr da, wo sich die Menschen heute treffen. Da müssen wir ran, wenn wir zukunftsfähig sein wollen.

„Zukunftsfähigkeit“ ist fast ein Modebegriff geworden - was meint ihr damit, wenn ihr es auf den Verband, die KAB, bezieht?

Ansgar Jux: Grundsätzlich heißt das erst einmal, die nächsten 30 Jahre zu überleben. Ganz ehrlich: Wenn wir gar nichts ändern, werden wir in spätestens 10 Jahren keine Katholische Arbeitnehmer-Bewegung in unserem Bistum mehr haben. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen spricht da eine sehr deutliche Sprache.

Elisabeth Hönig: Das sehe ich genauso. Zukunftsfähig heißt für mich, die KAB wirkt mit ihren Mitgliedern, mit Freunden und Freundinnen und mit ihrem Engagement positiv in die Gesellschaft. Dafür müssen wir lauter werden und uns deutlicher in gesellschaftlichen Fragen positionieren. Wir brauchen stabile Finanzen und wachsende digitale Kompetenzen. Wir brauchen flexiblere Zugänge für Menschen in unseren Verband. Wir brauchen eine Kampagnenfähigkeit genauso wie neue Formen der Gemeinschaft. Genau daran arbeiten die sechs Bautrupps.

Um im Bild des Hauses zu bleiben: Bei einem Haus trägt das Fundament. Was trägt die KAB im Bistum Münster heute?

Elisabeth Hönig: Wir fangen - Gott sei Dank - nicht bei null an: Die christliche Soziallehre ist unser Fundament. Aus ihr erhalten wir den Auftrag uns als Christinnen und Christen für mehr Gerechtigkeit in der Lebens- und Arbeitswelt einzusetzen. Ihr verdanken wir unsere zentralen Werte wie Solidarität und das Vertrauen in die Selbsthilfekräfte der Menschen – also Subsidiarität – sowie die Achtung der Menschenwürde eines jeden Einzelnen, die Personalität.
In den letzten Jahren kam die Nachhaltigkeit – also der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, als wichtiger Eckpfeiler dazu.
Die Ortsvereine sind eine starke Basis für unseren Verband. Daneben wollen wir andere Formen der Vernetzung von Gleichgesinnten anbieten.

Ansgar Jux: Inhaltlich sind wir – wie gesagt – gut aufgestellt. Dennoch haben wir einen Bautrupp „Inhalt und Profil“, weil es natürlich darum gehen muss, wie wir unser Profil gut schärfen und vor allem gut vermarkten.
Die KAB hat immer schon mit ihren sozialpolitischen Aktionen auf Missstände aufmerksam gemacht. Eine neue Aktionsform wird der Bautrupp „Kampagnen und Aktionen“ entwickeln. Der Bautrupp lotet aus, wie die KAB Kampagnen nutzen kann, um schnell und effektiv Themen in die Öffentlichkeit zu bringen.

Aktionen und Kampagnen kosten doch Geld und brauchen schnell agierende Leute, oder?

Elisabeth Hönig: Auch deshalb werden wir diese inhaltlichen und formalen Veränderungen parallel mit den beiden Bautrupps „politische Verbandsstruktur“ und „Finanzkonzept für alle Ebenen“ begleiten. Denn hier geht es darum, das strukturelle Gerüst und die finanzielle Grundlage für unseren Diözesanverband stabil und zukunftssicher aufzubauen.

In einem Haus gibt es Keller und Dachbodenräume – also solche, deren Renovierungsbedarf man nicht gleich sieht. Was macht ihr, wenn ihr unterwegs auf solche „Räume“ stoßt, für die es keine Bautrupps gibt?

Ansgar Jux: Wir sind davon überzeugt, dass alle „Räume“ des Verbandes
immer wieder kritisch betrachtet werden müssen. Zunächst werden wir konzentriert an jenen sechs Räumen arbeiten. Dieser Umbau wird dauern und ist möglicherweise auch für den ein oder anderen schwierig, aber wir sind uns sicher, dass die KAB diese Anstrengungen wert ist.

Umbauen dauert. Wie sieht der Zeitplan der „Baustelle KAB“ aus?


Elisabeth Hönig: Die sechs Bautrupps haben Anfang März 2019 mit ihrer Arbeit begonnen und sollen sie am 30. November 2019 abgeschlossen haben. Alle Ergebnisse setzt die Bauleitung zu einem Gesamtbauplan zusammen. Im Frühjahr 2020 wird dieser Gesamtbauplan dem Diözesanvorstand und dem Diözesanausschuss vorgelegt. In diesen Gremien wird der Plan beraten und beschlossen. Danach wird die ganz konkrete Umsetzung losgehen.

Ihr habt eine arbeitsintensive und spannende Zeit vor euch. Was wäre euer Wunsch für diese Umbauphase oder die Zeit danach?

Elisabeth Hönig: So viele Ehren- und Hauptamtliche arbeiten auf dieser Baustelle – diskutieren, recherchieren, planen. Es ist großartig. Ich wünsche mir weiterhin solch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und dass wir mit Mut und Zuversicht Schritt für Schritt an die Umsetzung gehen.

Ansgar Jux: Ich finde, wir alle – die ehren- und die hauptamtlichen Engagierten in unserem Diözesanverband – brauchen eine Zukunfts-Perspektive, die Lust auf mehr KAB macht. Und ich bin überzeugt, dass wir mit diesem „Bauprozess“ diese Perspektive schaffen werden! Mein Wunsch? Das jedem klar ist, dass es nicht in erster Linie um persönliche Bedürfnisse einzelner geht, sondern um den Erhalt einer unglaublich wichtigen Stimme für Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft – der KAB!

Alles Gute für eure Arbeit und vielen Dank.
 
Das Interview mit Elisabeth Hönig (stellvertretende Diözesanvorsitzende) und Ansgar Jux (hauptberuflicher KAB-Referent) führte Heike Honauer, Münster.
Mit Renate Lammering (ehemalige stellvertretende KAB-Diözesanvorsitzende) und Benedikt Kemper (KAB-Rechtsschutzsekretär und MAV-Vorsitzender) gehören Hönig und Jux zur „Bauleitung“. Die „Bauleitung“ organisiert und steuert im Auftrag des Diözesanvorstandes die „Baustelle KAB“. Sie legt den abschließenden „Gesamtplan“ vor.

Wer Fragen oder Anregungen zur „Baustelle KAB“ hat, melde sich bitte direkt an Ansgar Jux, E-Mail: ansgar.jux@kab-muenster.de oder Tel. 0163/1633483.


Foto: KAB
24.04.2019

Bestellung Newsletter
Wallfahrt nach Banneux

Münster. Wallfahrten sind Auszeiten vom Alltag. Sie stärken den Menschen im...
> MEHR LESEN

Im Elektro-Bulli quer durch Deutschland.

Münster. Pfarrer Michael Prinz ist viel unterwegs im Bistum Münster - als Präses...
> MEHR LESEN

„Salz der Erde“-Wallfahrt

Hopsten-Breischen. „Salz der Erde“ lautet das Thema der Bezirkswallfahrt der...
> MEHR LESEN

Auf den Spuren des Christentums in Israel

Münster. Auf den Spuren des Christentums in Israel führt eine 11-tägige Reise vom...
> MEHR LESEN