DIÖZESANVERBAND

Wie Suppe mit Sternchennudeln. Die Campaigner-Azubis der KAB.

von links: Michael Grammig, Stephan Eisenbart und Ulrike Klorer (alle KAB) lernen derzeit, wie die KAB Kampagnen nutzen kann, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
v. li.: Michael Grammig, Stephan Eisenbart und Ulrike Klorer (alle KAB) lernen derzeit, wie die KAB Kampagnen nutzen kann, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Ulrike Klorer aus Haltern am See, Michael Grammig aus Münster und Stephan Eisenbart aus Vechta arbeiten für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. Sie lernen nun, wie sie „politische Kampagnen“ für ihren Verband planen und organisieren können. Die drei „Azubis“ erzählen im Interview, warum eine Gesellschaft Kampagnen braucht und was Sternchennudeln damit zu tun haben.

Könnt ihr in einem Satz beschreiben, was eine „Kampagne“ ist?

Ulrike Klorer: Klar – in einem Satz mit vielen Kommata. Eine Kampagne ist eine zeitlich befristete Aktion mit einem definierten, politischen Ziel und dazu gehören eben Menschen, die etwas bewegen wollen und für ein Anliegen gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen und es bekannt machen.

Hast du ein Beispiel?

Ulrike Klorer: Sehr erfolgreich war dieses Jahr die Kampagne für Artenvielfalt in Bayern. Das Ziel von vielen Bündnispartnern und Unterstützern war ein Volksbegehren, das Änderungen im bayerischen Naturschutzgesetz bewirken will. Durch die Kampagne „Rettet die Bienen!“ sind die notwendigen Unterschriften für dieses Volksbegehren zusammen gekommen. 1.745.383 Unterschriften für ein besseres Naturschutzgesetz – 18,4 Prozent der Wahlberechtigten haben sich eingetragen. Das ist ein eindeutiger Erfolg.

Stephan Eisenbart: Im KAB-Landesverband Oldenburg engagieren wir uns seit einigen Jahren gemeinsam mit anderen Verbänden und Gewerkschaften im „Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt (MIDA)“. Das Bündnis setzt sich für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in der Fleischindustrie ein, wo die zumeist ausländischen Arbeitskräfte vielfach unter unwürdigen Bedingungen und ihrer Rechte ausgebeutet werden. Die Unterschriftenkampagne mit unseren politischen Forderungen haben wir am Ende im Bundesministerium für Arbeit und Soziales übergeben. Natürlich haben wir als kleines Bündnis keine Millionen erreicht, konnten aber unsere Forderungen einer Staatssekretärin im Ministerium übergeben.

Und wenn die Kampagne keinen Erfolg hat?

Ulrike Klorer: Es kommt auch darauf an, was man als Erfolg wertet und was nicht. Die Kampagne „Stoppt TTIP und CETA“ zu den Freihandelsabkommen TTIP und CETA zum Beispiel konnte die Freihandelsabkommen nicht verhindern, aber durch die Kampagne wurden sehr viele Menschen erst auf die Problematik aufmerksam. Sie wurden wach und sensibilisiert. Vorher kannte doch kaum jemand die Abkürzungen. Übrigens ist die KAB Teil des Bündnisses.

Stephan Eisenbart: Es ist tatsächlich die Frage, wie die Zielformulierung einer konkreten Kampagne aussieht. Ich versuche das mal an der eben geschilderten Unterschriftenkampagne deutlich zu machen. Wenn ich die Umsetzung der politischen Forderungen, zum Beispiel der gesetzliche Mindestlohn (war damals noch nicht beschlossen) oder die Begrenzung der Werkvertragsarbeit nehme, so sind die Ziele sicher nicht voll umfänglich erreicht. Die Einführung des Mindestlohns ist sicher nicht auf unsere Kampagne zurückzuführen. Wenn es aber um die Sensibilisierung der Bevölkerung und auch der zuständigen Politiker geht, so war die Kampagne sicher ein Erfolg.

Welche Themen könnte ein Sozialverband wie die KAB mit einer Kampagne voranbringen?

Michael Grammig: Ich finde unsere Gesellschaft braucht ein neues Bewusstsein für den Wert von Arbeit und vor allem von sozialer Arbeit. Der Mindestlohn muss deutlich höher werden – da wäre eine Kampagne, die die „Entscheider“ auffordert, was zu tun und Menschen den Wert von geleisteter Arbeit deutlich macht, sehr hilfreich.

Stephan Eisenbart: Ich glaube, dass wir als Arbeitnehmerverband unbedingt weiter am Ball bleiben sollten, wenn es um die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie geht. Vielleicht braucht es in Zukunft mehr kleinere, zeitlich befristete Kampagnen mit konkreten Zwischenzielen, um sich nicht in den großen politischen Zielen zu verlieren.

In Zukunft seid ihr im Diözesanverband Münster die Ansprechpartner für solche Kampagnen. Campaigner werden ist nicht schwer … oder doch?


Ulrike Klorer (lacht): Campaigner werden ist nicht so schwer. Eine großartige Idee zu einem Thema haben, Mitstreiter suchen und schon kann es losgehen … nein, da gehört schon etwas mehr dazu. Schon der Anfang – nämlich das Kampagnenthema eingrenzen und das Ziel genau beschreiben, braucht Zeit und Diskussion.

Michael Grammig: Dann geht die Arbeit erst richtig los, Bündnispartner suchen, praktische Ideen finden, die die Menschen ansprechen und zum Mitmachen bewegen, gleichzeitig solide und verlässliche Infos zum Thema bereitstellen, die Finanzierung sichern, Infomaterial und Aktionsmaterial herstellen und Verteilungswege überlegen …

Uiii, das hört sich nach viel Arbeit an.

Stephan Eisenbart: Je mehr Menschen erreicht werden sollen, desto mehr Gedanken, Planung, Organisation und Zeit braucht man natürlich – und eben kreative Ideen und viel Kommunikation mit den verschiedenen Gruppen und Partner*innen und der Presse.

Was gefällt euch besonders gut an der „Campaigner-Ausbildung“?

Michael Grammig: Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Kolleginnen aus dem ganzen Bundesgebiet – das ist sehr inspirierend.

Ulrike Klorer: Ich mag die vielen praktischen Tipps am meisten.

Stephan Eisenbart: Es ist super, dass die Ausbildungsleiterinnen über viele eigene Erfahrungen in der Kampagnenarbeit verfügen. So können wir viel aus der Praxis lernen.

Michael und Stephan, ihr erarbeitet im Rahmen der “Baustelle KAB“ ein Konzept, wie die KAB in Zukunft verstärkt Kampagnen einsetzen kann, um … ja, um was zu tun?

Michael Grammig: Wenn die KAB Politik und Gesellschaft mitgestalten will, dann muss sie das, was sie zu sagen hat, gut sichtbar und hörbar machen. Das können Kampagnen. Zum Beispiel beim Schutz des Sonntags. Eine Kampagne, gemeinsam mit den Gewerkschaften und anderen kirchlichen Gruppen wie beim Münsteraner Volksbegehren für den freien Sonntag, zeigt auf, warum, der Sonntag schützenswert ist und hilft anderen, eine eigene Meinung zu bilden. Argumente wie verlässliche gemeinsame Zeit, Zeit für Familie, fürs Ehrenamt, für Gottesdienst und eigene Erholung lesen wir selten in den Zeitungen. Die Errungenschaft und die Kultur des Sonntags liegt in unseren Händen – und das müssen wir laut und deutlich sagen.

Ich verstehe. KAB und Kampagne gehören irgendwie zusammen. Darf ich euch zum Schluss um ein kurzes Bild bitten? Wie würdet ihr diesen Satz vollenden: KAB und Kampagne ist wie …

Michael Grammig: … KAB und Kampagne ist wie ein Glühwürmchen in der Dunkelheit, das entdeckt, wie hell es überhaupt leuchten kann.

Ulrike Klorer: KAB und Kampagne ist wie die Suppe mit Sternchennudeln.

Stephan Eisenbart: KAB und Kampagne ist wie der Steilpass beim Fußball.

Vielen Dank für dieses Interview.

Das Interview führte Heike Honauer, Öffentlichkeitsreferentin der KAB im Bistum Münster.


Foto: Heike Honauer
24.06.2019

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