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„Die Fleischindustrie war der Anfang.“


Zu einem Gespräch über das Engagement für Arbeitsmigranten*innen trafen sich Pfarrer Peter Kossen und der KAB-Bezirksvorstand Coesfeld nun auf digitalem Wege.

Zu einem Gespräch über das Engagement für Arbeitsmigranten*innen trafen sich Pfarrer Peter Kossen und der KAB-Bezirksvorstand Coesfeld nun auf digitalem Wege.

Bezirk Coesfeld. Zu einem intensiven Austausch mit Pfarrer Peter Kossen, KAB-Vorstandsmitglied und Aktivist für die Rechte von Arbeitsmigranten*innen, traf sich der KAB Bezirksvorstand Coesfeld virtuell. Anlass waren die jüngsten Vorfälle rund um die Fleischindustrie in Coesfeld und der große öffentliche Protest gegen unwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen von Mitarbeiter*innen in Großschlachtereien. Peter Kossen würdigte die schärferen gesetzlichen Regelungen, die das Kabinett beschlossen hatte, als „starke Signalwirkung in die Arbeitswelt.“ Es sei „der Anfang vom Ende miserabler Arbeitsbedingungen“. Er wies darauf hin, dass nicht allein die Fleischbranche solche Arbeitsbedingungen kennt. Gleichwohl sei es sehr gut, dass bei der Fleischindustrie der Anfang gemacht wurde, findet Kossen. „Von dort ging das Übel aus.“ Diese Branche habe alles ausgereizt, was ging.“ Kossen berichtete, dass Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie häufig in mehrfacher Abhängigkeit von ihrem Arbeitsgeber stünden. Der Arbeitsgeber sei auch der Vermieter. Verliere der Arbeiter den Job, steht er auch wohnungslos auf der Straße. „Das haben wir schon mehrfach erlebt“, erzählt der Pfarrer. Auch deshalb würden viele Arbeitsmigranten eigene Rechte nicht gegen den Arbeitsgeber geltend machen oder gar einklagen.

Auch der KAB-Bezirksvorsitzende Günter Schlicker hofft, dass die Verbote von Werksarbeit und die Verschärfung der Regeln ein „Durchbruch sein könnten“. Jetzt zeige die Politik zumindest Reaktionen und will in der Fleischindustrie Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiter besser zu schützen. Ohne durchgreifende Kontrollen, befürchtet er allerdings, würde sich wenig ändern. „Lediglich organisatorische Veränderungen schaffen noch keine besseren Arbeits- und Wohnverhältnisse“, sagt Schlicker.

Die schwierige Rolle der Verbraucher*innen thematisierte Janbernd Lütke Brintrup. Sicher müsse der Verbraucher entscheiden, wo und was er kaufe, aber die Verantwortung auf die Verbraucher zu schieben, so kritisiert der stellvertretende Bezirksvorsitzende, hieße die Fleischindustrie aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Kossen verwies auf die Rolle der Discounter. „Der Preiskampf der Discounter um das billigste Angebot ist unanständig“, sagte er deutlich. „Unanständig, weil er auch die Arbeit der Bauern und die der Arbeiter missachtet.“

Die weiteren Entwicklungen müsse man nun genau beobachten, empfiehlt Kossen den KAB-Mitgliedern. Sich selbst ein Bild machen vor Ort, wahrnehmen, wo Arbeiterrechte missachtet werden und Vernetzungspartner für faire Arbeitsbedingungen für alle suchen.


Text: Heike Honauer
Foto: Screenshot
29.05.2020


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