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„Wir brauchen lebhafte Widerständigkeit!“


Sie feierten mit vielen weiteren Gästen den 70. Geburtstag des KönzgenHauses in Haltern am See (v. li.): Heinrich Wiengarten (stellv. Bürgermeister), Norbert Jansen (Geschäftsführer KönzgenHaus), Hermann Hölscheidt (KAB-Diözesansekretär) und Heribert Prantl (Journalist und Festredner).

Sie feierten mit vielen weiteren Gästen den 70. Geburtstag des KönzgenHauses in Haltern am See (v. li.): Heinrich Wiengarten (stellv. Bürgermeister), Norbert Jansen (Geschäftsführer KönzgenHaus), Hermann Hölscheidt (KAB-Diözesansekretär) und Heribert Prantl (Journalist und Festredner).

Haltern am See. Mit einem mitreißenden Vortrag des Journalisten Heribert Prantl, einem stimmungsvollen Gottesdienst und vielen begeisterten Gästen feierte das KönzgenHaus – die Bildungsstätte von KAB und CAJ in Haltern am See - seinen 70. Geburtstag unter dem Titel „Damit Gerechtigkeit wächst“.

Das KönzgenHaus in Haltern ist ein Ort der Begegnung, der Suche, der solidarischen Stärkung. Dies betonte Geschäftsführer Norbert Jansen in seiner Begrüßungsrede: "Seit 70 Jahren steht die Suche nach Gerechtigkeit im Geiste der biblischen Botschaft, der christlichen Sozialethik und der Sozialverbände KAB/CAJ im Mittelpunkt. Und diese Suche ist angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen und globaler Krisen aktueller denn je.“

Sozialstaat als Schicksalskorrektor
Ein Plädoyer für einen Sozialstaat, der Gerechtigkeit wachsen lässt, hielt der Festredner Heribert Prantl, ehemals Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Wie ein Meister der Lichttechnik warf er grelle Spots auf die Versäumnisse von Politik und Gesellschaft und deckte schonungslos Mechanismen auf, die den Sozialstaat seiner eigentlichen Aufgabe, „Schicksalskorrektor“ zu sein, berauben und den Menschen ihre Würde nimmt. Denn, so Prantl „das Schicksal teilt ungerecht aus und dekadent ist, der es bei der Ungerechtigkeit belassen will.“

Chancengleichheit und Würde
Prantl stemmte sich energisch, auch laut gegen die Vorstellung des perfekten Menschen - dem Menschenbild des neoliberalen Marktes - ebenso gegen die Vorstellung, alles zu Geld machen zu wollen und den Sozialstaat auf eine reine „Fürsorge-Tätigkeit“ zu reduzieren. Der Staat nach Prantlscher Lesart ist dann stark, wenn er für Chancengleichheit und für die menschenwürdige Existenz seiner Bürger*innen sorgt. Und wenn er allen Teilhabe ermöglicht - den behinderten Menschen und den Geflüchteten, den Obdachlosen und den Kranken, den alten und pflegebedürftigen Menschen und den Kindern. „Sozialstaat und Demokratie gehören zusammen“, sagte Prantl, und ohne Sozialstaat ist keine funktionierende Demokratie möglich.

Gleich einer Litanei umrahmte der Redner seine Spots mit dem biblischen Wort „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Unerschrocken konfrontierte er die Zuhörer*innen mit den Bildern von Flucht übers Meer und Stacheldraht, mit Verharmlosung der Obdachlosigkeit und Armut in Deutschland und Sätzen wie „Die militarisierte Flüchtlingspolitik ist eine Apokalypse.“.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
Prantls Frage „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ und seine Antwort „In einer Gesellschaft, die ihre Zukunft miteinander gestaltet“ sind das Band, das alle Lichter und Spots zusammenhält. Die Schwachstellen von Politik, die Ökonomisierung des Lebens werden zu Herausforderungen für Menschen, Bildungshäuser und Verbände – Herausforderungen, denen sie begegnen müssen und können. Dafür, so Prantl, „brauchen wir lebhafte Widerständigkeit“. Dann können Gerechtigkeit und Demokratie wachsen.

KönzgenHaus ist „Brückenbauer“
Neben Festredner Heribert Prantl, Regierungspräsidentin Dorothee Feller aus Münster und Halterns stellvertretendem Bürgermeister Heinrich Wiengarten wurde das 70jährige Jubiläum mit 150 Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft gefeiert.

Münsters Regierungspräsidentin Dorothee Feller lobte die Mitarbeiter*innen des KönzgenHauses „Brückenbauer“ in Sachen Sozialarbeit, Beratung und politische Bildung zu sein und dankte dem Haus für „70 Jahre Streben nach Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit“.

Der stellvertretende Bürgermeister Heinrich Wiengarten erinnerte daran, dass im KönzgenHaus immer wichtige Ideen entstanden seien, die weit über das Haus selbst und die Region bedeutsam wurden. Er würdigte das KönzgenHaus mit seinen 50 Arbeitsplätzen als wichtigen Arbeitgeber für die Region.

Neue Ausstellung 70 Jahre KönzgenHaus
„Zeit_Punkte. 70 Jahre KönzgenHaus“ heißt die neue Dauerausstellung, die im Rahmen des Festaktes eröffnet wurde. Sie ist ab sofort in den Fluren des Hauses zu sehen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.koenzgenhaus.de.


Text: Heike Honauer
Foto: Maik Meid
28.11.2019


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