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„Geld macht nicht glücklich, aber es schadet auch nicht!“


Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky (2. v. li.) entlarvte in Münster die Macht der Geldes und die „German Angst“ – und das Leitungsteam der KAB Münster freute dich über ein volles Haus. v. li.: Christoph Hansen, Marlies Jägering und Richard Kretschmann.

Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky (2. v. li.) entlarvte in Münster die Macht der Geldes und die „German Angst“ – und das Leitungsteam der KAB Münster freute dich über ein volles Haus. v. li.: Christoph Hansen, Marlies Jägering und Richard Kretschmann.

Münster. Die „Generation A“ saß dicht gedrängt im großen Saal des Pfarrer-Eltrop-Heims in Münster. Die „Generation A“ sei, folgt man dem Kabarettisten Lutz von Rosenberg Lipinsky, jene typisch deutsche Generation, die vor allem und jedem Angst habe, einen ganz speziellen Pessimismus pflege und angesichts des für 2012 prophezeiten Weltuntergangs nur müde den Kopf schüttelte und meinte: „Weltuntergang? – das klappt sowieso nicht.“ Generation A sind irgendwie alle – mal mehr mal weniger. Wie gut, dass die „Generation A“ in Münster über sich selbst herzhaft lachen kann, wie der Abend mit dem Hamburger Kabarettisten bewies.

Umzingelt von Phantomtigern
Einen sehr speziellen, anderen Blick auf Geld, Angst und Arbeit warf von Rosenberg Lipinsky in seinem Programm „Geld. Macht. Angst.“, mit dem er auf Einladung des KAB-Stadtverbandes Münster zu Gast war. Angst entstehe im Gehirn, erklärte er. Umzingelt von inneren „Phantomtigern“ wachse die „German Angst“ ins unermessliche – vor allem bei weißen Männern – je älter je mehr, analysierte Lipinsky. Echte realistische Gründe für Ängste findet er nicht – aber auch ohne, schaffe diese „Angst“ eine große Zahl von Wahlstimmen für „die dunkle Seite“ des Parteienspektrums oder in einem kurzen Lipinskyschen Satz gesagt: „Nur Schisser wählen rechts.“

Geschlossene Türen und Flaschenpfand
Mit sprühendem Wortwitz und launigen Anekdoten aus dem Alltagsleben mit Frau, pubertierenden Kindern und besuchsfreudigen Großeltern führt er den Zuhörer*innen die eigenen Widersprüchlichkeiten und die der Gesellschaft vor. Wie schnell und ungeplant man selbst in Lipinskys Programm landen kann, erlebte Christoph Hansen vom KAB-Stadtverband. Hatte der eben noch alle im Saal begrüßt, auf eine geschlossene Tür hingewiesen und um Rückgabe von Pfandflaschen gebeten, eröffnete Lipinsky genau damit seinen Auftritt. Er freue sich als auftretender Künstler, dass das Publikum fest eingeschlossen sei und keine Möglichkeit habe … so stelle er sich Katholizismus vor. Und wie bitter, dass die KAB schon Pfandflaschen sammeln müsse … der Saal tobte, geradezu „frenetisch für Westfalen“, wie der Hamburger fand, der einst in Münster studiert hatte.

Von den Absurditäten des normalen Lebens
Von Rosenberg Lipinsky redet sich im Laufe des Abends in Fahrt … sein Tempo nimmt zu, seine Gesten ebenso. Er kämpft mit den schrägen Beinen des Stehtisches und dem Barhocker, er faucht und gluckst, trällert und seufzt und ringt die Hände. Er philosophiert über Begriffe wie Arbeitnehmer – „Wer nimmt denn freiwillig Arbeit?“ – oder Druckertreiber – „Was ist das denn?“ – hinterfragt den Hype einer jeden neuen digitalen Entwicklung – „Ich will mich nicht selbst bei der Bahn einchecken – und der Schaffnerin den Job wegnehmen – aber vielleicht findet sie das gar nicht so schlimm …“. Skandalös sei aber, dass jene Berufe, die die Gesellschaft oft als lästige Pflicht ansähe – „Pflege der Alten und Kranken zum Beispiel“ – besonders schlecht bezahlt werden.“

Er verzweifelt über jene „Gegner der Volkszählung in den 80ern“, die heute freiwillig in den sozialen Netzwerken „die Hosen runterlassen“. Er geißelt die gegenwärtige Politik, schüttelt den Kopf über Jugendliche, deren einzige Bewegung das Wischen über die Smartphone-Oberfläche sei und macht damit eigentlich sichtbar, dass die Digitalisierung der große neue Generationenkonflikt sein wird.

Mit jeder Geschichte entlarvt von Rosenberg Lipinsky die Absurditäten des Lebens, so dass sich der Zuhörer inmitten des eigenen Gelächters zu fragen scheint: „Will ich da wirklich mitmachen?“

Macht Geld glücklich?
Geld sei überhaupt überbewertet, findet Lipinsky. Gut, Geld mache nicht glücklich, aber es schade auch nicht. Vor allem nicht, wenn man ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger*innen einführen würde. Auch das identifiziert er zunächst als Angstfrage. „Wenn Menschen Geld bekommen, obwohl sie nichts tun – so stellen sich die Deutschen die Hölle vor“, ätzt er. Dabei sei es eher eine „Vertrauensfrage“ – nämlich jene, was Menschen ihren Mitmenschen zutrauen, welches Bild sie von diesen und letztlich von sich selbst haben – das Bild des Menschen, der mit seiner Arbeit gestalten will oder der des faulen Schmarotzers.

Lutz von Rosenberg Lipinsky weiß jedenfalls, was er mit einem Grundeinkommen tun würde: „Ich würde weiter auftreten“, verspricht er und der Saal applaudiert erleichtert und begeistert.


Text/Foto: Heike Honauer
16.04.2019


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