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Digitaler Quantensprung


Haltern am See. Kann die globale Digitalisierung tatsächlich extreme Armut, Ungleichheit und Ungerechtigkeit beenden und zudem eine ökologische Trendwende einleiten? Die Fachtagung „Digital global: Risiken und Chancen von Arbeit in der Zukunft“ vom 8. bis 9. Dezember2018 im KönzgenHaus in Haltern am See versuchte darauf Antworten zu geben. Die Tagung war eine Kooperationsveranstaltung der KAB Deutschlands mit dem Weltnotwerk der KAB und dem KönzgenHaus.

Digitalisierung frisst Ressourcen – eine ökologische Zeitbombe
„Die Digitalisierung verringert nicht unseren ökologischen Fußabdruck, im Gegenteil, allein durch die Einführung des autonomen Fahrens würde der Energiebedarf durch das extreme Anwachsen der Datenströme außerordentlich zunehmen“, betonte Sven Hilbig, Referent für Welthandel vom Entwicklungswerk „Brot für die Welt“. „Die Batterie eines Elektroautos enthält 10.000-mal so viel Lithium wie ein Handy-Akku.“ Der damit steigende Bedarf an Rohstoffen aus Afrika und Südamerika sei ein gravierendes Problem für soziale und ökologische Nachhaltigkeit im globalen Süden. „Der digitale Handel, wie hier mit Rohstoffen, droht außerdem den Spielraum für Entwicklungs- und Schwellenländer einzuschränken, die digitalen Lieferketten erhöhen vor allem die Wertschöpfung von global agierenden Konzernen und Plattformen“.

Fehlende gesetzliche Regulierungen
In ihren Statements zu den Auswirkungen einer rasant steigenden Digitalisierung im globalen Kontext berichteten Sarah Prenger, Präsidentin der internationalen Jugendorganisation CAJ und Caro Moch (CAJ) von ihren Erfahrungen bei einer internationalen Konferenz in Indonesien. Gerade die Jugendlichen seien weltweit gezwungen mit den neuen Formen der Erwerbsarbeit umzugehen und den Herausforderungen in der digitalen Arbeitswelt zu begegnen. „Digitale Arbeit muss zwingend eine Arbeit sein, die einen rechtlich geklärten und gesicherten Arbeitnehmerstatus hat“, forderte Prenger. Es müsse eine Diskussion in Gang gesetzt werden, wie im digitalen Kapitalismus die Arbeitsbedingungen, etwa über Mitbestimmungsrechte, mitgestaltet werden können.

Digitaler Quantensprung in Afrika
Dr. Pedro Morazan vom Südwind Institut thematisierte den digitalen Geldtransfer von Arbeitsmigranten nach Asien und Afrika. In Afrika passiert gerade ein evolutionärer Quantensprung – von der Agrargesellschaft ins digitale Zeitalter. Das Smartphone hat den Kontinent vernetzt, wo Straßen, Bahnhöfe und Flughäfen fehlen. Mobile Money – viele Millionen Afrikaner nutzen ihr Handy wie ein Bankkonto. Sie laden Geld auf, überweisen es, heben es ab, begleichen Rechnungen – ein völlig neues Handy-basiertes Bankensystem, dass Milliarden umsetzt. Aus der Not der Unterentwicklung wurde ein technologischer Fortschritt gemacht.

„Es ist ungemein wichtig, dass die Regierungen, Handelskammern und die digitale Community Regeln setzen, wie weit die globalen Konzerne sich in die lokale Technologieszene und Industrie einbringen dürfen, damit die lokale Start-up Szene geschützt wird“, so Morazan zu der rasanten Entwicklung.

Dienst am Gemeinwohl als Ziel
Die Gestaltung der Digitalisierung soll dem Gemeinwohl dienen, war ein Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der abschließenden Reflexionsrunde. Sie darf nicht einseitig auf die Förderung einer wirtschafts- und wachstumspolitischen Agenda abzielen, sondern muss auf sozial-, umwelt-, entwicklungspolitische Ziele ausgerichtet sein. Eine nachhaltige Digitalisierung bedeutet sinnvolle, menschenwürdige Arbeit, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Lebensstile.


Text/Foto: pd KAB Deutschlands e. V.
12.12.2018


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