Möchten Sie unseren Newsletter beziehen, dann tragen Sie bitte hier Ihre E-Mail-Adresse ein.
Wunsch an Kirche und KAB: Mischt euch ein!
(v. li.): Josef Bölting (Stadt Bocholt), Martin Welling (BEW), Ludger van Acken (C & A), Bernd Bajohr (verd.i), Hans-Joachim Hebing (IG-Metall), Klaus Mees (KAB), Clemens Enk (Olbrich), Richard Ribbes (Hulvershorn), Jochen Heisters (Borgers) und Gerd Jansen (IBENA).
Bocholt. Auch unter dem Schwerpunkt "...weil es uns wertvoll ist" geht das Engagement für gute Arbeit in der KAB im Bistum Münster weiter. Ob Leiharbeit, Rentenmodell oder garantiertes Grundeinkommen. Die KAB diskutiert ihre Vorstellungen einer lebenswerten Gesellschaft engagiert weiter – so z. B. in Bocholt. Unter Federführung von Pastoralreferent und Präses Klaus Mees fand dort ein öffentlich viel beachtetes Podium mit Betriebsräten statt.
Breiten Raum nahm dabei das Thema Leiharbeit ein, zu dem alle Beteiligten deutliche Worte fanden, auch wenn nicht alle Betriebe und Bereiche gleichermaßen davon betroffen sind.
Einig war man sich vor allem darüber, dass Leiharbeiter für ihre Arbeit den gleichen Lohn erhalten müssen wie fest Beschäftigte. Mit deutlichen Worten betonte der erste Bevollmächtigte der IG-Metall Hans-Joachim Hebing, dass Leiharbeiter auf der untersten Stufe aller prekären Arbeitsverhältnisse stehen. Was ursprünglich mit dem Ziel, Arbeitslosen einen Übergang durch Leiharbeit in eine Festbeschäftigung zu verschaffen, ins Leben gerufen wurde, wird als ein Instrument missbraucht, mit dem Unternehmen sich sozialer Verpflichtungen entziehen und die Lohnkosten drücken. Bernd Bajohr, Geschäftsführer von ver.di, hob hervor, dass nicht Leiharbeit, sondern befristete Verträge mit tarifgerechtem Lohn das Instrument sind, mit dem Unternehmen die Zeiten abdecken können, in denen sie mehr Arbeitskräfte benötigen als sonst. In der Praxis der Leiharbeit wird das umgekehrt: statt festangestellter Mitarbeiter werden Leiharbeiter angestellt, die bei Engpässen in der Auftragslage einfach weggeschickt werden können. Neben ungleicher Bezahlung ist es vor allem das völlige Fehlen jeglicher Sicherheit und Perspektiven, dass Leiharbeit zur prekärsten Form von Arbeit überhaupt macht. Diese trifft vor allem junge Menschen, die damit weder Perspektive für ihr Berufsleben bekommen, noch privat ihre Zukunft planen können.
Während Gerd Jansen, Betriebsratsvorsitzender der Firma IBENA, darauf hinweisen konnte, dass der Betriebsrat in seinem Unternehmen sich auch für die Leiharbeiter stark gemacht hat und erreichen konnte, dass diese gleich bezahlt werden und Chancen zur Übernahme in eine Festbeschäftigung bekommen, machten die Kollegen auf dem Podium keinen Hehl daraus, dass Leiharbeitsfirmen verboten werden müssten. Die Vertreter der Gewerkschaften warnten: "Die Änderung im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verhindert nicht den Missbrauch der Leiharbeit, sondern macht sie zum Missbrauch per Gesetz".
Klare Positionen wurden aber auch in anderen Fragen vertreten. So wurde die Rente mit 67 deutlich als versteckte Rentenkürzung kritisiert.
Im Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde beklagt, dass die Arbeitnehmer die Fehler der Banken bezahlen müssten und dass die Politik sich momentan gegen die Arbeitnehmer wendet.
Einigkeit herrschte auf dem Podium im Blick darauf, dass wir den gesetzlichen Mindestlohn brauchen, wie ihn 20 europäische Länder bereits haben. Nach Auffassung von Jochen Hebing dürfe dieser heute nicht mehr unter 10 Euro liegen.
Nachdenklich und zurückhaltend antworteten die Teilnehmer der Gesprächsrunde auf die Frage des Moderators Klaus Mees nach dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das das bezahlbar sein soll, war nicht allen vorstellbar. Ehr zögerlich öffnete sich die Runde der Auffassung, dass der Mensch nicht sofort jede Lust zu arbeiten verliert, wenn er die finanzielle Absicherung seiner Existenz nicht selbst erarbeiten muss. Nachvollziehbar erschien da schon ehr das Argument, dass eine Grundsicherung für alle der Stigmatisierung all derer ein Ende setzt, die jetzt keine andere Chance haben, als von Hartz IV zu leben.
Einigkeit herrschte dann wieder in der Schlussrunde: Auf die Frage von Präses Klaus Mees "Was wünschen sie sich von Kirche und/oder KAB": Kirche und KAB sollen sich einmischen und Stellung beziehen, so wie es bei BenQ der Fall war. Deutlich wünschten sich die Vertreter der IG-Metall, am 13. November in Dortmund, bei der Demonstration gegen den Sozialabbau Seite an Seite mit der KAB Flagge zu zeigen für eine Wende in der Politik.
Text: Klaus Mees, Foto: KAB
20.10.2010













