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Sinn-Kostprobe Nr. 74: "Ohne Wenn und Aber: Gleiches Entgelt für gleiche Arbeit!"


Marianne Hopmann.

"Was bedeutet sinnvoll leben für Sie?“ haben wir die engagierte Frauenpolitikerin Marianne Hopmann gefragt.

Vor 10 Jahren machte der Frauenverein Business and Professional Women (BPW) den Equal Pay Day in Deutschland bekannt, und seit 10 Jahren nun begehen wir diesen Tag auch in Münster. Er verändert sich jährlich, je nachdem, an welchem Tag des Jahres die Frauen das Jahresgehalt des Vorjahres der Männer erwirtschaftet haben. Dieses Mal ist es der 19. März, und das heißt, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bei 21,6 % liegt.

Da kann sich frau schon einmal aufregen – und auf die Straße gehen, um zu protestieren! Selbst bei gleicher Ausbildung, gleicher Position, gleicher Tätigkeit, gleicher Leistung und gleichem Erwerbsumfang – bleibt ein Unterschied von 7 %. Bei höherer Qualifikation sinkt er nicht etwa, nein er steigt bis zu 32 %. Folge der Entgeltlücke ist eine Rentenlücke bei Frauen von 57 %!

Bei der Angleichung von Frauenarbeitsentgelten an Männerarbeitsentgelte lässt man sich in der Politik und in der Wirtschaft viel Zeit. Im Dezember 2015 ist dank Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig ein Gesetzentwurf endlich im Kanzleramt angekommen – und dort liegt er nun. Und schmort. Er umfasst einen "individuellen Auskunftsanspruch für Beschäftigte in Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst“ bezüglich der Lohnhöhe. Für Unternehmen ab 500 Beschäftigten enthält er auch die Pflicht zur "Durchführung betrieblicher Verfahren zur Überprüfung und Herstellung von Entgeltgleichheit“ einschließlich Berichtspflicht. Wichtig – aber wer glaubt an die Erfüllung: "Ziel ist ein Inkrafttreten des Gesetzes Ende 2016.“
Ärgerlich ist, dass die kleineren Betriebe, in denen viele Frauen arbeiten, von dieser Pflicht ausgenommen sind. Hinzu kommt, dass die unglaublich großen – und überhaupt nicht begründbaren – Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeit-Arbeitslohn nicht explizit genannt werden. Diese treffen zwar auch Männer. Aber es sind im Wesentlichen Frauen, die sich auf Grund von "Care-Arbeit“ für Teilzeit entscheiden müssen. Somit wirken sich diese Entgeltunterschiede bei Frauen noch einmal doppelt aus.

Das sind die Dinge, die mich aufregen – und die mich in die Politik geführt haben: Es war die Frauenpolitik, und sie ist es geblieben. Um tatsächliche Entgeltgleichheit zu erlangen: "Ohne Wenn und Aber: Gleiches Entgelt für gleiche Arbeit!“, werden wir wohl noch einige Equal Pay Days durchführen müssen.“

Marianne Hopmann (* 1946) ist Rentnerin und lebt mit ihrem Mann in Münster. Die Gleichstellung von Frauen und Männern liegt ihr sehr am Herzen. Sie ist als engagierte und profilierte SPD-Frau Vorsitzende des Ortsvereins Coerde und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Sie ist Mitglied in der Bezirksvertretung Münster Nord und im Gleichstellungsauschuss des Stadtrats.



Der Equal Pay Day macht jedes Jahr deutlich, wie lange die Frauen arbeiten müssen, um das Durchschnittseinkommen der Männer vom Vorjahr zu erreichen. 2016 wird er mit vielen Frauenaktionen am 19. März begangen. In Münster startet eine Kundgebung vor dem Rathaus um 11 Uhr und geht anschließend auf dem Lambertikirchplatz weiter.



Foto: privat
18.03.2016

 

 


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