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Sinn-Kostprobe Nr. 68: "Es ist eine große Freude auf beiden Seiten"


Barbara Wulfert.

"Warum ist Arbeit für Flüchtlinge sinnvoll?" haben wir Barbara Wulfert aus Lünen gefragt.

"Im Juli 2015 wird eine ehemalige Hauptschule zu einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Da sie im Bezirk unserer Pfarrgemeinde liegt, war es für mich keine Frage: Da helfe ich mit. Zusammen mit drei weiteren Frauen wurden die gespendeten Kleidungsstücke, Schuhe, Bettwäsche etc. erst einmal sortiert und zum Teil auch gewaschen. Dann kamen die ersten Flüchtlinge: Familien, Frauen mit Kindern, deren Männer getötet wurden oder unterwegs verloren gegangen sind, junge Ehepaare. Männer, Frauen, Kinder aller Altersgruppen und aus den unterschiedlichsten Ländern mit acht (!) verschiedenen Sprachen.

Einige wenige sprechen Englisch, andere können weder lesen noch schreiben. Die Verständigung klappt trotz allem. Mit Bildern von Hosen, Jacken, Schuhen und mit viel Gestik behelfen wir uns. Ich habe einen marokkanischen Schwiegersohn – auch durch Besuche in seiner Heimat kann ich einige Brocken Arabisch. Wenn ich in unserer Kleiderkammer "Danke" (schukran), "Bitte" (fadlach) oder "le bess" (Wie geht es?) sage, werde ich erst groß angesehen, dann geht ein Strahlen und Lachen über das ganze Gesicht. Wenn ich nun morgens zur Ex-Schule komme, schalte es mir aus allen Ecken entgegen: le bess? Und ich versuche genauso zu antworten. Es ist eine große Freude auf beiden Seiten. Genauso ist es beim Aussuchen von Kleidungsstücken. Viele sind dankbar und voll Freude, wenn wir zusammen etwas Passendes finden und auch noch ein schönes Teil ergänzen. Die strahlenden Gesichter machen froh, zufrieden und dankbar – und die Fremdheit ist weg! Es ist viel Freude in unserer Kleiderkammer."

Barbara Wulfert (* 1947) ist seit 35 Jahren Mitglied in der KAB. Die Mutter zweier erwachsener Töchter lebt mit ihrem Mann in Lünen und ist von Jugend an ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert. Ihre Leidenschaft gehört dem Reisen – besonders begeistert ist sie von Marokko und Griechenland.


Foto: privat
05.02.2016


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