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Sinn-Kostprobe Nr. 63: Nie aufhören anzufangen


Norbert Jansen.

"Was gehört zu einem sinnvollen Leben?" fragen wir Norbert Jansen, Geschäftsführer der Heimvolkshochschule (HVHS) Gottfried Könzgen in Haltern am See.

Neujahrsempfänge häufen sich in diesen Tagen. Und ich frage mich bei jedem zweiten: Macht das Sinn? Habe ich dafür Zeit? Ist mit etwas Neuem zu rechnen, oder nur mit Altem im neuen Kalenderjahr?

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben" wussten schon Meister Eckart und später Hermann Hesse in seinem "Stufengedicht".
Anfänge sind aufregend und manchmal auch unruhig. – Ein neuer Job, eine neue Beziehung, ein neuer Lebensort … Anfänge sind mit Aufbrüchen verbunden. Und wer aufbricht, lässt zwangsläufig etwas zurück. Das ist mit Entscheidungen verbunden, jedenfalls dann, wenn es kein Schicksal ist.
Altes, Bekanntes, Liebgewonnenes verlassen – das ist nicht schön. Abschließen und Abgrenzen, das ist leichter gesagt als getan. Denn Dableiben und Halten bedeutet andererseits Sicherheit, Gewissheit, Heimat.

Mir bedeutet "Heimat", gewohnte Lebensräume, meine Familie ganz viel. Deshalb wohne ich seit vielen Jahren am gleichen Ort, in der gleichen Straße, im gleichen Haus. Eine solche Stabilität ist mir einerseits wichtig, um andererseits beweglich zu bleiben. Gebunden sein, um aufbrechen zu können. Klingt widersprüchlich? Ist es! Und das Jonglieren der Widersprüche kostet Kraft, hält mich aber wach und lebendig. Ich habe mehrfach in meiner Biografie neu angefangen – immer verbunden mit der bangen Frage, ob die Entscheidungen für mich, meine Familie, meine "gesicherten Netzwerke" richtig sind. Aufbruch bedeutet Risiko, Ängste sind zu erwarten und mit Widerständen und "Auf-Regung" ist zu rechnen. Bei mir selber und in der neuen Umgebung. "Auf-Regung" ist das Gegenteil von Gemütlichkeit, schläfriger Stille und Stillstand.

Grenzen überschreiten und mit Widerständen umgehen, fördert Entwicklung und Lernen. Dieser Satz aus der pädagogischen Theorie wird spannend, wenn er auf gelebte Praxis trifft. Eine Bildungsstätte wie das Könzgen-Haus ist ein guter Ort, um sich darin zu üben.
Anfänge und Aufbrüche – die wünsche ich mir noch möglichst oft in meinem Leben, denn "nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen" ("Stufen" von Hermann Hesse)."

Norbert Jansen (* 1962) ist geborener Rheinländer und gelernter Dipl.-Theologe, Dipl.-Pädagoge und Fundraiser M.A. Seit Sommer 2015 ist er Geschäftsführer der HVHS Gottfried Könzgen in Haltern am See. Der Niederrheiner ist verheiratet und Vater zweier Töchter.


Foto: privat
01.01.2016


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