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Sinn-Kostprobe Nr. 61: Schnecken beobachten und Sandburgen bauen.


Anne Decamotan.

"Was gehört zu einem sinnvollen Leben?" fragen wir Anne Decamotan, Theologin in Elternzeit aus Münster.

"Dicke Augenringe zeigen deutlich meine schlaflosen Nächte, Laternen basteln und Pferde malen zählen nicht gerade zu meinen Stärken und einen unkomplizierteren Berufseinstieg hätte ich mir auch gewünscht - dennoch war es für mich und für uns als Paar unvorstellbar ohne Kinder zu leben.

Den Alltag bewältigen ohne in der Routine unterzugehen, sich füreinander Zeit nehmen ohne ein Kind zu bevorzugen und dann auch als Paar füreinander da sein ... Wie auch in der Arbeitswelt lag bei mir die Versuchung nahe, einem Perfektionismus zu erliegen. Alles unter einen Hut kriegen. Die drei K's meistern: Kinder, Küche und Kirche - ach ja, und natürlich das Familienleben mit dem Berufsleben vereinbaren. Schöne Wunschvorstellung. Zu meinem Glück haben mir unsere Kinder und mein Mann gezeigt, dass es in Ordnung ist, nicht perfekt zu sein. Nicht alles gleichzeitig zu schaffen.

Und ich habe gelernt, dass es zum Erwachsensein gehört, das Kindsein zu bewahren. Die Welt durch Kinderaugen zu sehen, heißt für mich, mit größerer Unbeschwertheit und Leichtigkeit durchs Leben zu gehen, achtsam zu sein für die vielen alltäglichen Begebenheiten: die ersten Krabbelversuche stolz mit der Kamera festhalten, mit den Kindern durch den Regen und durch Pfützen laufen, Nacktschnecken beobachten, die kleinen und großen Bastel- und Malwerke bewundern, Sandburgen bauen, Küsschen und Pflaster nach einem Sturz verteilen, Ligretto und Uno spielen, Plätzchen backen, schaukeln, nach einem Streit mit der besten Freundin Trost geben, den Atem anhalten, wenn das eigene Kind auf der großen Bühne tanzt ...

Diese vielen kleinen Begebenheiten und gemeinsamen Erlebnisse machen für mich das Leben so lebenswert und sinnvoll.

Im ganz normalen Wahnsinn des Alltags ist es manchmal aber ganz schön schwer, diese Achtsamkeit zu bewahren. Und selbst die eigenen Kinder stellen irgendwann fest, dass Mama und Papa nicht alles können und Fehler machen. Mich hat meine Tochter einmal mit ihrer Reaktion überrascht: Sie weiß, dass all meine Malversuche kläglich scheitern und bittet mich inzwischen gar nicht mehr, etwas für sie malen. Sie nimmt es locker und versucht mich sogar zu trösten. Sie sagt, auch wenn ich nicht so gut male wie ihre große Schwester, "Krickelakrak" sei ja schließlich auch Kunst - Ja, danke! ;-)"

Anne Decamotan ist katholische Theologin in Elternzeit und lebt in Münster. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Im Februar 2015 war sie eine von sechs Kandidaten/innen beim "Predigt Slam", zu dem die örtliche KAB in die Erphokirche in Münster eingeladen hatte. In ihrer freien Zeit spielt sie sehr gern Klavier.

Foto: Monika Thies
11.12.2015


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