Aktuelle Nachrichten

Sinn-Kostprobe Nr. 48: Das Leben ist schön - nicht "sinnvoll"


Rudi Letschert.

"Was gehört für Dich zu einem sinnvollen Leben", fragen wir Rudi Letschert aus Bad Aibling.

"Er hat Vorschläge gemacht. Wir haben sie angenommen." Das wünschte sich einst Bert Brecht als Grabinschrift. Wer würde nicht gerne einen solchen Satz auf seinem Grabstein lesen? "Durch eine solche Inschrift wären wir alle geehrt", heißt es in dem Gedicht. Wirksam werden zu Lebzeiten - und dass sich am Lebensende noch jemand daran erinnert - das wär's doch! Die ideale Zusammenfassung eines wirklich "sinnvollen" Lebens, oder? Auch meine eigene Überheblichkeit würde ganz locker für einen solchen Wunsch ausreichen.

"Sinn" ist das Hauptwort, entstanden aus dem althochdeutschen Tätigkeitswort "sinnan" - "reisen, gehen, streben" aus dem germanischen Wort "sinpa" für "Weg, Reise". Die Bedeutung wurde massiv verschoben. Heute meint "Sinn" immer auch irgendwie "Zweck". Warum setzen wir durch die Frage nach dem Lebenssinn voraus, dass ein Leben, außer einfach da zu sein auch noch so etwas haben müsste, was wir dann "Sinn" nennen? Und dass es ohne diesen "Sinn" nicht so gut wäre?

Muss unser Leben etwas bedeuten? Bedeutung ist das, was wir dazu geben. Brauchen wir unbedingt einen auf ein Ziel orientierten Sinn, oder gar einen ganz menschlichen Zweck? Ist ein Leben, das nicht auf einen Nutzen oder auf Erlösung ausgerichtet ist, das für niemanden etwas be-deutet, weniger oder gar nichts wert? Wenn ein Mensch sein Leben lang keinen Sinn für Natur, Farben, Düfte oder seinen Nächsten hat, hat er ein "sinnloses" Leben?

Das Brecht-Gedicht beginnt mit dem Satz: "Ich benötige keinen Grabstein, aber wenn ihr einen für mich benötigt …" Für manche Menschen ist es eben hilfreich, dem Leben Bedeutung zu geben. Mir fällt es schwer, mein Leben mit der Kategorie "Sinn" zu bewerten. Für mich ist es ein Geschenk, mit dem ich manchmal mehr, manchmal weniger anzufangen weiß. Das Leben ist schön - nicht "sinnvoll."

Rudi Letschert (* 1961) hat Literaturwissenschaft und Germanistik studiert und war bis 2014 Referent für Verbandsentwicklung der KAB Deutschlands. Heute ist er "frei, frei schaffend, hat manchmal frei und lebt ohne Hund und Katze in Bad Aibling, kurz vor Österreich links."

Foto: privat
11.09.2015


Frauen laden zum Brunch ein.

Dülmen/Bistum Münster. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit – noch immer ist...
> MEHR LESEN

Familiengerechte Arbeitswelt statt arbeitsweltgerechte Familie.

Düsseldorf. Die familiengerechte Umgestaltung der Arbeitswelt stand im Mittelpunkt...
> MEHR LESEN

„Digitales Tagelöhnertum oder Chance?“

Heiden/Bistum Münster. „Der Arbeitsgesellschaft wird die Arbeit nicht ausgehen“,...
> MEHR LESEN

Heiligabend 2017: KAB ruft zum Kaufverzicht auf!

Münster. Keine Geschenke auf den letzten Drücker und die Gans ruht einen Tag im...
> MEHR LESEN