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Sinn-Kostprobe Nr. 33: Wes Geistes Kind sind wir?


Hans Sanders.

"Was gehört zu einem sinnvollen Leben", fragen wir Hans Sanders, ehemaliger Diözesanpräses der KAB.

"Schon im ersten Jahr meiner Tätigkeit als Pfarrer im Ruhrgebiet war ich einigermaßen entsetzt über den dürftigen Besuch des Gottesdienstes am Fest des Hl. Geistes, dem Pfingstfest. Wo sind sie nur, die Gläubigen? "Alle auf dem Campingplatz oder sonst wo im Urlaub", war eine Antwort. "Hat unsere Gemeinde denn den Geist Gottes nicht mehr nötig?" war meine zweite Frage. Außer Kopfschütteln und Schulterzucken meist keine Antwort.

Die Dramaturgie des Evangeliums nach Lukas beschreibt die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten als eine "geistlose Zeit" des traurigen Nichttuns. Erst die Geistausschüttung bringt die Jünger und Jüngerinnen im Bewegung, erst dann erkennt man, wes Geistes sie wirklich sind!

Ich bin oft gefragt worden, wenn ich wieder einmal meinen roten Pulli angezogen hatte, warum ich diese Farbe offensichtlich so gern hätte. Meine Antwort: Rot ist die Farbe des Hl. Geistes und des Blutes! Warum haben die Braunen, die Nazis, die "Roten" wohl so gehasst?

Ich kann mich gut erinnern:
In einer Leiterrunde der CAJ hat der "Boss" die Mitglieder, die einen ziemlich geistlosen Eindruck machten, einmal heftig gefragt: Habt Ihr eigentlich nichts als überalterten Tischlerleim in den Adern, mit dem man hier und da etwas flicken, aber nichts mit neuen Elan anfangen kann - es fehlt das lebendige und kämpferische Blut!
Auch in unseren Tagen steht es zur Debatte, ob und wie bewegt, wes Geistes Kind wir Christen wirklich sind! Haben wir noch starke und ausreichende Widerstandskräfte angesichts der zum Himmel schreienden und weltweiten Nöte und Ungerechtigkeiten? Haben wir noch (oder wieder) den langen und heißen Atem, wenn es um Gesprächsforen und Initiativen für brennende Fragen der Gegenwart geht? Sind wir überhaupt dabei? Oder ist unsere einzige große Sorge, ob unsere immer größer werdenden Gemeinden noch einigermaßen funktionieren?
Geht es auch etwas bescheidener? Nicht jeder Christ kann sich in so großen Zusammenhängen engagieren.
Ja, das geht - und ganz glaubwürdig:
In meinem Rentner-Dasein mit eingeschränkten Kräften versuche ich, Kontakt zu den "Obdachlosen", den Schwestern und Brüdern der Straße, in unserem Stadtviertel zu suchen und zu halten. Hin und wieder darf ich dann ein großes Kompliment hören, wenn sie mir sagen: Du hast angstlose und freundliche Augen!
Ist das Nichts?
Ich darf daran glauben, dass nicht mein roter Pullover, sondern der Geist Gottes der Schöpfer dieser Augen ist!

Sinnvoll leben? Ja, so oder ähnlich zeigt sich, wes Geist Kind wir sind!"

Hans Sanders ist katholischer Priester und war u. a. Präses der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), des Dachverbandes BDKJ und später von 1999 bis 2007 Diözesanpräses der KAB im Bistum Münster. Der 74-jährige gebürtige Wildeshausener lebt heute in Münster und engagiert sich für obdachlose Frauen und Männer. Er ist Präses des KAB-Ortsvereines KAB Herz Jesu Münster.

Foto: KAB
22.05.2015 (Pfingsten)


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