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Arbeit 4.0: „Chancen und Risiken halten sich die Waage“


Ein starkes Podium zur „digitalen Arbeitswelt“ (v.li.): Eva-Maria Wobbe (StarterCenter  Kreis Recklinghausen), Dominik Schad (Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen), Dr. Hans Hubbertz (Ev. Kirchenkreis), Michaela Evans (Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule, Gelsenkirchen),  Hermann Hölscheidt (KAB) und Achim Vanselow (DGB).

Ein starkes Podium zur „digitalen Arbeitswelt“ (v.li.): Eva-Maria Wobbe (StarterCenter Kreis Recklinghausen), Dominik Schad (Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen), Dr. Hans Hubbertz (Ev. Kirchenkreis), Michaela Evans (Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule, Gelsenkirchen), Hermann Hölscheidt (KAB) und Achim Vanselow (DGB).

Recklinghausen. „Betroffene zu Beteiligten machen“, war das gemeinsame Fazit der halbtägigen Veranstaltung im Max-Born-Berufskolleg zum Thema „Arbeit 4.0 – Chancen und Risiken der Digitalisierung“ mit sechs Experten aus unterschiedlichen Bereichen. Sie hatten auf Einladung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung  (KAB), des evangelischen Kirchenkreises, des iWiPo-Instituts und der DGB-Region Emscher-Lippe die ganze Bandbreite des Zukunftsthema fachkundig beleuchtet und aufgezeigt: „Ängste helfen nicht weiter.“

Digitalisierung gemeinsam gestalten


„Von der Dampfmaschine über das Fließband und die Datenverarbeitung per Computer bis hin zum Internet haben die Schritte der technischen Revolution stets Ängste und Hoffnungen ausgelöst“ erinnerte einleitend Hermann Hölscheidt, KAB-Diözesansekretär,  an die stetig fortschreitende technische Revolution: „Jeder Fortschritt musste erkämpft und jede Errungenschaft verteidigt werden“. Die Anforderungen seien immer die gleichen und Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft seien gleichermaßen gefordert: „Der Prozess muss gemeinsam  von Menschen für Menschen gestaltet und begleitet werden,“ so sein Credo aus der katholischen Soziallehre, denn es gehe um ein sinnvolles Leben.

Freiberufler in Heimarbeit am PC

Eva Wobbe vom Startercenter des Kreises Recklinghausen, die als Gründungsberaterin auch innovative Start-up-Unternehmen berät und begleitet, verwies auf den ungeheuer rasanten Wandel in der vom digitalen Internet-Netzwerk geprägten Heimarbeitswelt: „Bei dem neuen freiberuflichen Tätigkeitsfeld der so genannten Click-Worker auf diversen Plattformen mit oft unbekannten Betreibern ist kaum noch feststellbar, wer ist Arbeitgeber und wer ist Arbeitnehmer und wie kann man damit seinen Lebensunterhalt verdienen?“ Das Internet sei aber kein Paradies für alle, die sich selbständig machen wollen. „Auch Beratungsdienstleistungen finden zunehmend online statt, so dass sich auch das Betätigungsfeld des Starter-Centers selber rapide wandelt“, so Eva Wobbe.

Andersartige Berufsqualifikationen


Dominik Schad als Leiter des Jobcenters im Kreis Recklinghausen sieht seine Behörde als „Reparaturbetrieb“, der dann aufgesucht werde, wenn beispielsweise Qualifizierung für einen Job nicht mehr ausgereicht habe. Daher müsse bereits vorher angesetzt werden mit einem flexibleren Schulsystem mit Blick auf die veränderte Arbeitswelt, da 60% der Betroffenen keine formellen Abschlüsse vorweisen können. „Diese verlieren aber in Zukunft an Bedeutung, wo stattdessen die Frage nach Kompetenzen und Fähigkeiten statt Bildung zählt: Was kannst Du?“, so Dominik Schad. Viele herkömmliche Berufe würden nicht mehr gebraucht, Stellen für Helfer mit Billiglöhnen fallen weg, der Anteil an Experten und Fachkräften verschiebt sich.

Arbeitskräfte in sozialen Berufen gefragt

Daran knüpfte auch Michaela Evans vom Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) an: „Jeder muss sich künftig flexibel selber managen, wie beim Ehrenamt. Methodische Kompetenzen werden immer wichtiger.“ Vor allem müsse die veränderte Entwicklung in den Branchen beobachtet werden, denn der zukünftige Arbeitskräftebedarf entstehe vor allem für Bildung, Erziehung, Pflege und Betreuung. „Jeder vierte Arbeitsplatz entsteht in der Altenpflege“, betonte Michaela Evans. Um Übrigen sei Digitalisierung nichts Neues, denn die Robotik sei längst Alltagstechnologie.

Mitbestimmung unerlässlich

Achim Vanselow, Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik beim DGB-Bezirk NRW, mahnte, den Industriestandort nicht zu vernachlässigen und Technik so einzusetzen, dass sie menschliche Arbeit unterstützt und nicht ersetzt. „Hinter jeder Entwicklung stehen Interessen, die von uns gestaltbar sind“. Digitale Technik ermögliche auch Aufstiegsperspektiven und neue Arbeitsplätze. „Es kommt auf die betriebliche Ebene an, mit Beteiligung der Betriebsräte und der Beschäftigten“, so der Gewerkschaftsvertreter, denn Qualifizierung sei nicht nur Aufgabe des Staates, sondern auch der Unternehmen. Der DGB habe deshalb schon 2016 den „Index gute Arbeit“ aufgelegt.

Digitalisierungsprojekte für Bürgerbeteiligung

Ein mit Fördermitteln des Landes NRW ermöglichtes interessantes Modellprojekt des „Emscher-Lippe-Things-Network“ stellte Dr. Hans Hubbertz, Pfarrer beim evangelischen Kirchenkreis, vor: „Wir bringen ein Sensornetzwerk mit Beteiligungsmöglichkeiten für interessierte Mitwirkende auf den Weg. Wir werden in unserer Region offene Zugänge für das >Internet der Dinge< bereitstellen, kostengünstig und für alle nutzbar.“ Damit können Bürgerinitiativen, Kommunen oder Privatpersonen z. B. mittels eigener Umweltdaten eigene Interessen und Vorschläge im Bereich von spannenden Digitalisierungsprojekten umsetzen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Den Statements schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter der Moderation von Julia Borries an, so auch zum zwiespältigen Thema der Digitalisierung im Gesundheitswesen und bei Ärzten. Keine Akzeptanz fanden etwa Pflegeroboter ohne menschliche Empathie, wohl aber die Pflege der Gesundheitsdaten für treffsichere Prognosen zugunsten der Patienten. Dass die hochkarätige Veranstaltung nicht die erhoffte Teilnehmerzahl anlockte, bedauerten die Veranstalter, die aber flexibel statt der geplanten drei Arbeitsgruppen den Workshop kurzerhand zu einer Podiumsdiskussion umfunktionierten. Einigkeit herrschte darin: „Der Prozess ist von Menschen gestaltbar, wenn wir der Entwicklung nicht nur hinterherlaufen.“

Weitere Informationen zum Schwerpunkt „Arbeit 4.0“ finden Sie hier...


Text: Wilhelm Neurohr
Foto: Klaus Dieter Amtmannn
17.11.2018


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