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Sinn-Kostprobe Nr. 152: “Ich bin ein Wanderer”


Norbert Gebker.

Norbert Gebker.

„Was bedeutet für dich Sinn im Leben“, fragen wir Norbert Gebker, Geschäftsführer des KKV-Diözesanverbandes Münster.

I am a wanderer, feet on the ground
Heart on my sleeve and my head in the clouds
I own the star above some distant shore
Wandering ever more
(Joan Baez)


Ich bin ein Wanderer. Immer wieder unterwegs auf neuen Wegen, zu neuen Zielen: Ja, gerne höher und weiter. Nähme man eine Kostprobe, so schmeckte diese nach rauem Fels und firnem Schnee und nach metallenen Gipfelkreuzen unter fliehenden Wolken.

Jahr für Jahr: Aus dem hektischen Alltag der Stadt hineingeworfen in die fast menschenleere Natur. Unterwegs auf schmalen Pfaden und Steigen, der Sonne, dem Regen und dem Wind ausgesetzt. Schweißgebadet und atemlos hinauf zu felsigen Gipfeln, wo sich Himmel und Erde berühren. Durchhalten und oben ankommen. Vergessen die Angst an der Abbruchkante, vergessen die müden Beine, die schon früh zum Umkehren riefen.

Jetzt ist es Zeit zu schweigen, Zeit zu sehen und zu hören. Und es ist Zeit, nachzusinnen über Gott und die Welt und über mich.

Hier hoch oben, den Blick ringsherum auf noch höhere, schneebedeckte Grate und Gipfel, empfinde ich Stolz und Demut zugleich. Ich habe mich herausgefordert, ich habe durchgehalten und ich habe mein Ziel erreicht. Darauf kann und darf ich stolz sein. Es ist ein Stolz, der keinen Applaus braucht, weil er nur mir gehört, und so stellt sich eine tiefe Zufriedenheit, ja sogar ein Stückchen Glück ein.

Und im gleichen Augenblick, inmitten dieser großartigen Schöpfung von Stein und Fels, rauben mir die Nähe zum Himmel und die Schönheit dieser Erde den Atem. Ich empfinde Demut und Respekt: So gern ich es auch wollte, so sehr mich die Herausforderung reizt … es geht nicht weiter und höher hinauf, die Wege auf die ersehnten Gipfel bergen zu viele Gefahren. Fast schmerzhaft die Erkenntnis: Mir sind Grenzen gesetzt! Ich kann nicht alles schaffen!

Und der Sinn?

Wie oft erlebe ich im Alltag meine eigene Hybris des „Alles-Könnens“ und „Alles-Schaffens“ ... Auch wenn der Berg mich eines Besseren belehrt und ich weiß, dass ich in mir begrenzt bin und nicht jeden erstrebenwerten „Alltagsgipfel“ erreichen kann, versuche ich dennoch, gegen all diese Erfahrungen, diese Höhen zu erreichen. Und daran kann und muss ich - manchmal schmerzhaft erlebbar - unweigerlich scheitern. Dann bleibt mir nur, Demut mir selbst gegenüber zu zeigen und mir zu vergeben.

Sheldon B. Kopp, ein amerikanischer Psychotherapeut, hat es so auf den Punkt gebracht: „Lerne, dir selbst zu vergeben, wieder und wieder und wieder …“ Ich würde den Satz so erweitern: … Und sollte ich mir nicht mehr selber vergeben können, so bleibe ich in der Hoffnung, dass es jemanden gibt, größer und wirkmächtiger als alle Berge und Gipfel, als Sonne, Wind und Erde, größer als alles Irdische: GOTT, der vergibt und rettet.

Norbert Gebker (* 1961) ist Geschäftsführer des KKV-Diözesanverbandes im Bistum Münster und ist leidenschaftlicher Wanderer, ob in den Alpen oder auf reizvollen Fernwanderwegen überall in Deutschland. Er betätigt sich gern als Vorleser, besonders von Bilderbuch-Geschichten für Erwachsene und indesignt und photoshopt sich nebenher durchs Leben.


Foto: privat
13.10.2017


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