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Sinn-Kostprobe Nr. 149: „Herz-Gück!“


„Was bedeutet für Sie Sinn im Leben“, haben wir Angela Lohausen, Referentin bei Misereor gefragt.

„Sinn stellt sich manchmal ein, wie von selbst. Wenn mein zweijähriger Sohn meiner Schwester zur Hochzeit gratuliert, strahlend auf sie zuläuft und laut „Herz-Glück“ ruft. Wenn er im Spiel innehält, um einen Schmetterling zu beobachten oder einen Regentropfen am Fenster.

Wenn sich Verbindungen ergeben, die ich vorher nicht gesehen habe. Wenn ich schreibe und auf einmal merke, dass dabei ein Gedicht entsteht. Wenn ich wissenschaftlich arbeite und die mühsam formulierten Sätze auf einmal passen, sich aneinanderschmiegen, als könnte es gar nicht anders sein. Wenn ich abschalten kann, wenn Protokolle, Konferenzen und To-do-Listen in den Hintergrund rücken und mal nicht vor allem mein Kopf gefragt ist: Wenn ich durch den Wald streife, mein Cello nach langer Zeit nochmal stimme, wenn ich mich am Abend in einen Lyrikband versenke und den Eindruck habe, dass da jemand mein Leben kennt, ohne mir je begegnet zu sein. Wenn ich gar nichts anders mache als sonst und trotzdem alles anders ist.

Die Sehnsucht nach dem Sinn ist immer da. Wenn er fehlt, ist das schmerzhaft spürbar. Wenn ich ganz unruhig und zappelig werde und mich kaum konzentrieren kann, dann spüre ich, dass die Sinn- und Glücksmomente zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, dass sie hinter der Routine hervorblitzen und gefunden werden wollen. Dann wird es Zeit, ein Bild zu malen, einen Tag am Meer zu verbringen, oder mit meinem Sohn Quatsch zu machen, bis wir beide vor Lachen nicht mehr können.“

Angela Lohausen (* 1979) ist Diplom-Theologin und Literaturwissenschaftlerin (M.A.). Sie arbeitet als Referentin für Bildungs- und Pastoralarbeit beim Bischöflichen Hilfswerk MISEREOR e.V.

Foto: privat
22.09.2017


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