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Sinn-Kostprobe Nr. 142: "Zeit und Fürsorge sind kostbar."


Peter Hendrik Simon.

"Was bedeutet sinnvoll leben für Sie?", fragen wir Peter Hendrik Simon aus Münster.

"Ich werde nie Nellys Freude vergessen. Nelly lebte in einem Kinderheim in Bolivien und hatte die 3. Klasse schon zweimal wiederholt. Monate lang haben wir in der Hausaufgabenbetreuung Lesen und Schreiben geübt und miteinander gelernt. Dann schaffte sie die Versetzung. Nellys Freude war riesengroß. Meine auch.

Die Frage nach dem, wie man sinnvoll lebt, ist nicht einfach zu beantworten, dafür ist das Leben zu vielfältig. Dass etwas sinnvoll ist, habe ich in meinem bisherigen Leben immer dann besonders gespürt, wenn ich durch mein Handeln etwas – wenn auch im Kleinen – bewegen konnte. Wenn ich mich engagiert und meine Energie für das eingesetzt habe, was mir wichtig war, beruflich und privat.

Zeit und Fürsorge für jemanden haben, fühlt sich für mich nach Sinn an. Auch deshalb werde ich Arzt. Das Gefühl von Sinn habe ich sehr stark empfunden, als ich Menschen in schwerer Krankheit oder im Sterben begleitet habe. Einmal wurde ich gebeten, mich neben einen Patienten auf der Intensivstation zu setzen. Seine lebenserhaltenden Geräte waren gerade abgestellt worden und er sollte im Sterben nicht alleine sein. Dass meine reine Anwesenheit für diesen Menschen wichtig war und somit einen Sinn hatte, war sehr bewegend.

Zeit und Fürsorge ist in der heutigen Krankenhauswelt, in der der ökonomische Faktor eine immer größere Rolle spielt, ein kostbares Gut. Viel Arbeit, Stress und Bürokratie bestimmen den Klinikalltag. Viel zu schnell vergisst man dabei den Menschen hinter der Patientenakte.

Für mich erhält mein Beruf einen Sinn, wenn ich mein Gegenüber wirklich wahrnehme und die Zeit für den Patienten und für eine gute Behandlung nicht zu kurz kommt. Das möchte ich mir bewahren."

Peter Hendrik Simon (* 1989) ist Medizinstudent im Praktischen Jahr. Der gebürtige Darmstädter arbeitete 2009 – 2010 im Rahmen des Sozialen Dienstes für Frieden und Versöhnung in einem Kinder- und Jugendheim in Cochabamba/Bolivien. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland studiert er Humanmedizin in Münster.

Foto: privat
28.07.2017


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