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Sinn-Kostprobe Nr. 138: "Beim Musizieren vergesse ich den Alltag."


Uli Albersmann.

Wie und warum ihn Musik bewegt, erzählt Uli Albersmann, Flötist in einem Spielmannszug.

"Von meinem Vater habe ich die Spielmannsflöte erlernt. Ich war damals vierzehn. Die Flöte spiele ich nun bald 40 Jahre lang in unserem Spielmannzug Heiden. Das hat mein Leben sehr bereichert. Beim gemeinsamen Musizieren vergesse ich die Dinge, die mich sonst im Alltag beschäftigen. Manchmal ist die Versuchung groß, eine Probe zu schwänzen, wenn zum Beispiel der Fernseher zu rufen scheint. Nach der Probe bin ich jedoch froh, mich aufgerafft zu haben. Auf der Rückfahrt vom Vereinsheim nach Hause klingen die Melodien in mir nach und ich pfeife sie zum Leidwesen meiner Frau auch zu Hause weiter. Bei neuen Stücken freue ich mich, wenn der Charakter und Geist eines Musikstückes bei der Gemeinschaftsprobe mit dem Gesamtorchester deutlich wird und ich meinen Teil zum Gelingen des Stückes beitragen kann.

Beim Musizieren gibt es keine Altersgrenzen. Die Jüngsten fangen mit etwa neun Jahren an und ich gehöre mit 53 Jahren zu den ältesten Spielleuten im Verein. Beim Musikmachen ist der Altersunterschied egal, und ich finde es schön, wenn wir generationsübergreifend gemeinsam etwas erreichen können. 2015 hat der Spielmannszug Heiden an der Weltmeisterschaft der "Show und Marching Bands" in Dänemark teilgenommen. Wir waren vier Tage lang in Kopenhagen und haben mit dem gesamten Musikzug in einer Schule übernachtet. Das war wenig komfortabel – aber es war letztlich nebensächlich. In dieser Schule waren auch Marching Bands aus Thailand und aus den Niederlanden untergebracht. Wir haben uns alle super verstanden. Bei solchen Gelegenheiten sieht und spürt man, wie sehr die Musik die Menschen verbindet. Egal, welchen Alters und welcher Nation. Und dann kam der von allen mit Spannung erwartete Wertungsauftritt im Bröndby Stadion. Wochenlang hatten wir uns auf diesen Auftritt vorbereitet und wir waren angesichts der beeindruckenden Kulisse im Stadion mächtig nervös. Es war unser erster Auftritt bei einer Weltmeisterschaft. Der Jubel über den Gewinn der Bronzemedaille war entsprechend riesig.

Die Vereinsfahrten, die Kameradschaft und die gemeinsamen Erfolge haben mein Leben sehr bereichert. Und das auch ohne Musik. Bei den Zeltlagern beispielsweise lassen wir die Instrumente zu Hause und genießen einfach zusammen die Freizeit. In meinen 22 Jahren als Geschäftsführer des Spielmannszuges habe ich mich immer auf die zu Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand und den verschiedenen Vereinsgremien verlassen können. Alle zogen am gleichen Strang und so haben wir viel bewegen können. Es ist einfach schön zu sehen, wie viel im Verein durch gute Zusammenarbeit erreichbar ist. Ich bin oft erstaunt, wie engagiert die Jugendlichen sind. Durch die verlängerten Schulzeiten kommen manche direkt von der Schule zur Musikprobe, um dort drei Stunden konzentriert zu proben. Ich weiß nicht, ob ich als Jugendlicher schon diesen Elan entwickelt hätte. In den vielen Jahren im Verein habe ich miterleben können, wie die Kinder und Jugendlichen zu Erwachsenen werden. Viele von ihnen sind dem Spielmannszug treu geblieben und haben jetzt selber Kinder, die zum Teil auch schon mitmusizieren.

Es gibt viele solcher sinnvollen Momente im Spielmannszug – ich hoffe, ich kann noch viele mit davon erleben."

Uli Albersmann (* 1963) ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt im Westmünsterland. Der Diplom-Ingenieur für technische Gebäudeausrüstung engagiert sich in seiner Freizeit in der Kommunalpolitik und fährt sehr gern Rad.

Foto: privat
30.06.2017


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