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Sinn-Kostprobe Nr. 135: "Verstehen, dass die Welt groß ist."


Teresa Battiston.

Teresa Battiston aus Italien lebt für ein Jahr als Gastschülerin in Deutschland – sinnvoll, fragen wir? Sie meint, ja.

"Warum habe ich mich entschieden … warum macht es für mich Sinn, als italienische Austauschschülerin ein Jahr in Deutschland zu verbringen? Ehrlich gesagt, am Anfang war es die Neugier auf neue Erfahrungen. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Ich hätte sonst auch zu viel Angst gehabt und mir zu viele Gedanken gemacht. Ich wäre wahrscheinlich gar nicht gefahren.

Wir sind unser Leben gewohnt: unsere Familie, unsere Freunde, unsere Schule und unsere Arbeit. Das sehen wir jeden Tag. Aber ich brauchte etwas mehr. Ich wollte auch anders sehen. Ich wollte reisen, eine andere Kultur kennen lernen, neue Freunde finden, neue Orte besuchen, eine neue Sprache lernen. Ich wusste, dass die Welt größer ist, als ich dachte …
Und als ich dann diese großartige, aber auch gruselige Chance hatte, ein Jahr in Deutschland zu verbringen, konnte ich nur Ja sagen – trotz aller Ängste vor dem Neuen.

Ich fühlte, dass diese Wahl die richtige war. Und ich hatte Recht. Es war richtig zu denken, dass ich diese Gelegenheit auf jeden Fall ergreifen sollte. Es war auch richtig zu glauben, dass es nicht so einfach würde. Im Flugzeug von Mailand nach Köln zitterten meine Hände und ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Zu Beginn meines Jahres in Deutschland habe ich oft gedacht, ob ich vielleicht einen Fehler gemacht habe, dieses Abenteuer anzufangen. Aber das war nur Angst und die hat mich zum Glück nicht aufgehalten.

Und dann war ich in Deutschland. Ich habe meine wunderbare Gastfamilie kennengelernt, ich habe neue Freundinnen gefunden, ich habe den Sonnenuntergang hinter dem Kölner Dom geschaut, ich habe Karneval gefeiert, und diese super leckere Krautwurst gegessen. Ich habe andere Austauschschüler getroffen und sie sind meine besten Freunde geworden. Ich habe gelernt, Deutschland zu lieben und weiß gleichzeitig, was ich besonders an meiner Heimat Italien schätze. Ich bin verändert und das sollte man immer machen. Wir sollten immer uns selber trotzen, wir sollten uns immer zu neuen Erfahrungen und Möglichkeiten antreiben. Ja, es ist schwierig. Ich weiß es. Ich habe noch viele Male gedacht, als ich meine Freunde und meine Familie vermisste: Warum habe ich mein Italien verlassen, um hier hin zu kommen? Wo ich niemanden kenne, wo alle schon Freunde haben, wo alles schwieriger ist.

Aber heute weiß ich, warum. Ich habe eine neue Sprache gelernt. Ich habe Physikklausuren auf Deutch geschrieben (und sie waren eigentlich auch nicht schlimm!). Ich habe Bücher auf Deutsch gelesen und ich dachte noch vor einem Jahr, dass es unmöglich wäre.
Und, das kann geringfügig klingen, ich habe auch gelernt, die kleinen Sachen zu würdigen. Manchmal vergisst man, wie glücklich wir sind, und hier in Deutschland habe ich so viele Sachen wieder zu schätzen gelernt. Ich habe neue Menschen getroffen, und sie haben meine Leben farbiger und schöner gemacht. Ich habe eine super zweite Familie kennen gelernt und ich kann nie dankbar genug sein, was sie für mich getan haben. Ich habe so viel verstanden. Ich habe verstanden, dass die Welt groß ist und ich möchte noch viel mehr sehen und lernen. Ich habe erst angefangen.

Deswegen habe ich ein Jahr in Deutschland verbracht, um eine neue Sicht zu haben, um neue Erfahrungen zu machen, um einfach zu wechseln und trotz einiger schwieriger Momente und manchmal ein bisschen Mutlosigkeit - muss auch so sein - bin ich sehr glücklich und dankbar für diese Erfahrung.
Es lohnt sich, und wie es sich lohnt!"

Teresa Battiston (* 2000), lebt in Trento mit ihren Eltern. Sie hat drei erwachsene Geschwister. Im Juli 2017 kehrt sie nach einem Gastjahr in Köln nach Italien zurück. "Leider”, sagt ihre Gastfamilie sehr bedauernd.

Foto: privat
09.06.2017


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