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Sinn-Kostprobe Nr. 132: „Wer Fülle ersehnt, macht sich auf die Suche.“


Dr. Saskia Wendel.

„Wo findet man Sinn heute?“, fragen wir Professorin Dr. Saskia Wendel von der Universität Köln.


„Sinn gibt es in diesem endlichen Leben immer als Fragment, er kann sich in einem Moment einstellen, etwa höchsten Genusses, purer Lust, eines Vorgeschmacks tiefen Glücks – in einem Augenblick, der jedoch nie verweilt.


Was den einen eine tiefe melancholische Gestimmtheit beschert, wird von den anderen ohne großen Hader angenommen. Wer aber Fülle ersehnt und sich nicht mit dem Mangel zufrieden geben kann oder will, macht sich auf die Suche – und das kann ein ganzes Leben währen.


Vielleicht liegt in der Suche selbst schon ein sinnvolles Moment. Vielleicht liegt Sinn unbeschadet dieser unstillbaren Sehnsucht, die auch eine religiöse Kraft entwickeln kann, in jenem intensiven Erleben des „höchsten Augenblicks“, der dieses eine und einzige Leben ist, das wir besitzen. In jenem Erleben, das der Engel Damiel in „Der Himmel über Berlin“ so sehr begehrt, dass er sterblich zu werden sich entschließt: „‚Jetzt‘ und ‚Jetzt‘ sagen können und nicht wie immer ‚seit je‘ und ‚in Ewigkeit‘. (…) Fieber haben, schwarze Finger vom Zeitunglesen, sich nicht immer nur am Geist begeistern, sondern endlich an einer Mahlzeit, einer Nackenlinie, einem Ohr. (…) Mir selber eine Geschichte erstreiten.“


Mir darin den Sinn verleihen, den das Leben selbst nicht zu besitzen scheint. Und dabei doch auch darum wissen, dass Sinn letztlich immer auch unverfügbar und nicht herstellbar ist, mir ebenso widerfährt wie der Aufschein von Glück – und mit ihm auch das erhoffte „Leben in Fülle“, um das das Evangelium des Mannes aus Nazareth kreiste.“


Dr. Saskia Wendel (* 1964) ist katholische Theologin und Religionsphilosophin. Wendel lehrte u. a. in Münster, Tilburg/NL, Innsbruck und Wien. Sie ist nun Professorin für Systematische Theologie an der Universität zu Köln. Eines ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Frage nach dem Begriff der Freiheit und deren Bedeutung für Religion und Gesellschaft.

 


Foto: privat
19.05.2017

 

 


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