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Sinn-Kostprobe Nr. 127: "Das Herz ist schwer …"


Andreas Goedereis.

Andreas Goedereis hat ein außergewöhnliches Ehrenamt: Er besucht Trauerende und er beerdigt die Toten. Erzähl uns davon, haben wir ihn gebeten.

"Als mich unser damaliger Pfarrer fragte, ob ich mich nicht ausbilden lassen möchte, um Beerdigungsgottesdiensten vorzustehen, habe ich erst einmal zurückgezuckt. Soviel Tod und Trauer – ob das wohl das Richtige für mich ist? Nach einiger Überlegung habe ich "ja" gesagt. Ich mache diesen Dienst jetzt schon elf Jahre.

Es ist ein Dienst nicht nur für die Toten oder "die Kirche" – ich mache ihn in erster Linie für die Hinterbliebenen. Für Menschen in einer Ausnahmesituation, die verstört sind, weil ein ihnen sehr wichtiger Mensch gegangen ist. Auch der Glaube an ein Leben nach dem Tod hilft da nur sehr beschränkt weiter, denn die Mutter/der Vater oder andere Angehörige ist nicht mehr da, man kann nicht mehr mit ihm reden, er antwortet nicht mehr, sie fehlt einfach, das Herz ist schwer, man ist unsicher. In solchen Situationen komme ich zum Trauergespräch. Für viele ist es das erste Mal, dass sie wieder offen lachen, obwohl ihnen zum Heulen zu Mute ist. Und ich ermuntere sie auch noch, ich versuche ihnen aus dieser unglücklichen Situation einen Weg in das neue Leben zu zeigen, einfach durch reden, über den Verstorbenen, über Gutes und Böses, über die schönen Dinge im Leben, und darüber, dass das Leben auch ohne den Verstorbenen weitergehen muss, und darüber, dass es auch jetzt noch Freude und Glück gibt. Und hier können sie auch lachen, denn die Trauergespräche finden in einem behüteten Raum statt. Für mich ist an dem Beerdigungsdienst das Trauergespräch das Wichtigste.

Unabhängig davon, versuche ich den Beerdigungsgottesdienst so zu gestalten, dass die Trauernden das Gefühl haben, dass es ein Gottesdienst für sie und für den Verstorbenen ist, ganz persönlich für sie, vor Gott. Und wenn die Trauernden sich bei mir nach der Beisetzung verabschieden und mir sagen, dass die Feier sie berührt hat, oder angesprochen, oder sie ihrem Verstorbenen entsprach, dann weiß ich, dass es gut ist, denn mehr kann ich für die Trauernden und die Verstorbenen nicht tun, für Menschen in einer der beiden existenziellsten Lebenssituationen, die wir alle durchleben müssen – der Geburt und dem Tod. Wenn ich die mir wichtigsten Grundprinzipien wiederfinden kann, Glaube, Hoffnung und Liebe, dann gehe ich zufrieden nach Hause, und weiß, dass ich es richtig gemacht habe."

Andreas Goedereis (* 1961) ist verheiratet und Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern. Der studierte Historiker engagiert sich in ganz unterschiedlichen Bereichen der Kirchengemeinde – u. a. im Ortsgemeinderat, der Caritasarbeit, im Männerkreis und im ehrenamtlichen Beerdigungsdienst. Andreas Goedereis lebt in Münster.


Foto: Ortrud Harhues
14.04.2017


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