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Sinn-Kostprobe Nr. 115: Shabbat Shalom


Ruth Frankenthal.

"Was gehört für Sie zu einem sinnvollen Leben", fragen wir Ruth Frankenthal, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit in Münster.

"Mehr als Israel den Shabbat bewahrt hat, hat er Israel bewahrt". Dieser Spruch unserer Weisen fällt mir sofort ein. Und so trifft es auch auf mich zu. Was wäre mein Leben ohne den Shabbat? Was bedeutet er für uns, für mich?

Schon als Kind habe ich das Besondere dieses Tages gespürt. Die Vorfreude auf den Shabbat ergreift alle Familienmitglieder. Vergleichbar mit der Vorfreude der Christen auf den Heiligen Abend. Nur mit dem großen Unterschied, dass der Shabbat allwöchentlich gefeiert wird und Erfüllung bringen soll.

Die Bedeutung des Shabbats ist, die Zeit zu feiern und nicht den Raum. Sechs Tage der Woche leben wir unter der Tyrannei der Dinge, des Raums. Am Shabbat versuchen wir uns einzustimmen auf die Heiligung der Zeit. An diesem Tag sind wir aufgerufen, Anteil zu nehmen, an dem was ewig ist in der Zeit, uns vom Geschaffenen, dem Geheimnis der Schöpfung selbst zuzuwenden, von der Welt der Schöpfung zur Schöpfung der Welt.

Da G´tt am siebten Tag von der Schöpfung ausruhte, soll auch der Mensch an diesem Tage ruhen. Diese Ruhe soll sich auf das ganze Haus und alle darin Lebenden – ohne sozialen oder religiösen Unterschied – ausdehnen. Die Einhaltung des Shabbats ist so wichtig, dass gesagt wird: "Der Shabbat wiegt alle Gebote auf, wer den Shabbat vorschriftsmäßig hält, hat damit gleichsam die ganze Thora anerkannt, und wer ihn entweiht, ist, als ob er die ganze Thora abgeleugnet hätte" (Shulchan Aruch, 404). Wir wenden uns bewusst den Mitmenschen zu, öffnen uns für den, der Sorgen hat, krank ist oder trauert. Aber auch an der Freude der Anderen nehmen wir teil. Negative Gedanken sollen uns an diesem Tag nicht belasten.

Da möglichst alle Mitglieder der Familie am Shabbat zusammen kommen, besteht Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zu ausgiebigen Gesprächen. Diese Möglichkeit bildet die Basis für das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. An diesem Abend und Tag kann in Ruhe gesprochen, geklärt und manches Problem gelöst werden. Es gibt keine Ablenkung durch Telefon, Computer, TV. Wir konzentrieren uns ganz auf die Familie.

Am Ende des Shabbats wünschen wir uns "Eine gute Woche" und gehen wieder den alltäglichen Tätigkeiten und Hobbies nach, mit dem Wohlgeruch der Kräuter noch in der Nase und der Vorfreude auf den nächsten Shabbat im Herzen.

Selbst wenn wir heute nicht mehr alle Riten und Gebräuche streng einhalten, so bleibt doch immer das Besondere, das Heilige und die Ruhe, die ich allwöchentlich genieße. Ohne den Shabbat wäre ein sinnvolles Leben für mich undenkbar.
 
In diesem Sinne wünsche ich allen Leser*innen: Shabbat Shalom."

Ruth A. Frankenthal (* 1948) ist die langjährige jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in Münster. Die ehemalige Lehrerin wurde mit der "Münster-Nadel" und dem Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement im Christlich-Jüdischen Dialog und der Toleranz zwischen den Weltreligionen ausgezeichnet. Ruth Frankenthal verwendet in ihrem Text die Schreibweise G´TT für Gott. Dies verweist darauf, dass der Name Gottes im Judentum aus Respekt nicht ausgesprochen oder ausgeschrieben wird.


Lesen Sie außerdem: Wie Shabbat in einer traditionellen jüdischen Familie gefeiert wird … Von Ruth A. Frankenthal

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Das Datum ist angelehnt an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Foto: privat
27.01.2017


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