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Sinn-Kostprobe Nr. 112: Sternsingen und Gott und die Welt


Die Senioren-Sternsinger aus Werne: v. li.: Reinhard Bergmann, Hans-Ulrich Backhove und Willi Brinkmann.

Reinhard Bergmann ist 72 Jahre und an diesem Wochenende als Sternsinger unterwegs. Wir haben ihn gefragt, warum er das tut: Menschen besuchen, singen, segnen und Spenden sammeln.

Sternsingen ist für dich mehr als Singen an der Haustür, oder?

Reinhard Bergmann (R. B.): In vielen Häusern, in die wir kommen, werden wir Sternsinger bereits erwartet. Es folgen Gespräche an der Tür oder in der Diele am Herdfeuer über Gott und die Welt. Viele Ältere haben dann oft Tränen in den Augen und machen uns Mut, so lange wie möglich diese Tradition aufrecht zu erhalten. Das geht schon nah und (lacht) ein Schnäpschen darf dabei auch nicht fehlen.

Sternsingen ist sinnvoll, weil ...

R. B.: … durch die Sternsinger-Aktion Kinder anderen Kindern helfen können und ihnen der Blick geöffnet wird für die Not anderer. Und wir Erwachsene springen dort ein, wohin die Kinder-Sternsinger eben nicht kommen können.

Du würdest auch anderen Erwachsenen empfehlen, Sternsinger zu werden?

R. B.: Ja, ich halte es für wichtig, über der Kirchenraum hinaus, Kontakt mit Menschen verschiedener Herkunft und Religion zu knüpfen – das geht bei unseren Besuchen sehr leicht.

Du bist der dunkelhäutige König Melchior – was verbindest du mit dieser Figur?

R. B.: Für mich sagt Melchior, dass die Hautfarbe, sowie die Stellung des Menschen für Helfer und Geholfenen egal ist.

Welche Erlebnisse sind dir besonders in Erinnerung?

R. B.: In einem Jahr warteten Angehörige eines Sterbenden auf uns Sternsinger, um noch einmal an dessen Bett zu singen. Im folgenden Jahr sangen wir an einem Bett eines Neugeborenen. Unser Mittagessen wird schon seit vielen Jahren bei ein- und derselben Familie, bereits in der 2. Generation, für uns bereitgestellt.

Wofür sammelt ihr die Spenden in diesem Jahr?

R. B.: Wir teilen die Spenden auf: Ein Teil ist für das Projekt der Sternsinger-Aktion in Kenia. Ein Teil geht nach Argentinien, wo unsere Gemeinde eine Schule unterstützt. Die Süßigkeiten bekommt ein Kinderheim in Rumänien.

Vielen Dank und ein segensreiches Sternsingen wünschen wir dir und deiner Gruppe.

Reinhard Bergmann (* 1944) ist seit vielen Jahren als Senioren-Sternsinger unterwegs. Mit zwei weiteren Senioren besucht er u. a. entlegenere Bauernschaften um die Stadt Werne bei Dortmund. Der Rentner engagiert sich außerdem in der KAB – als Vereinsvorsitzender, im Bezirksvorstand und in der Internationalen Solidaritätsarbeit. Reinhard Bergmann ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Gertrud in Werne.


Foto: Michael Kemmler
06.01.2017


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