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Sinn-Kostprobe Nr. 98: "Gutes Leben. Für alle!"


Pirmin Spiegel.

"Was gehört für Sie zu einem sinnvollen Leben?", fragen wir Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes MISEREOR.

"Gutes Leben. Für alle!" Beim guten Leben geht es nicht nur um die Beseitigung von Hunger. Um das konkret zu erfahren, brauchen wir nur in einen der vielen Slums der Millionenmetropolen gehen, z. B. in eine der Satellitenstädte von São Paulo. Die Liste des unguten Lebens ist endlos: Drogen und Alkohol, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Ringen um das tägliche Überleben und "Tod vor der Zeit" vor allem der kleinen Kinder.

Im guten Leben fließen kulturelle Quellen und soziale Systeme zusammen, integrieren sich Gesellschaft, Politik, Ökonomie, Kultur und Religion. Keines dieser Systeme wird alleine das gute Leben garantieren können. Denn es geht um mehr als um technische oder handwerkliche Machbarkeit.

Ziel von Handeln ist Sinn zu vermitteln über Partizipation, Solidarität, Anerkennung und auch Umverteilung, auch wenn ein guter Ausgang nicht unbedingt vorhersagbar ist.

Dabei geht es nicht nur um einen abstrakten Lebenssinn, sondern um die Verknüpfung dieses Lebenssinnes mit Entwicklungszielen, Grundbedürfnissen und Menschenwürde. Kirchen und Religionen können zum guten Leben aller immer auch praktische Gangarten und Wegvorstellungen mitbringen.

Man muss ganz unten anfangen und Wunden heilen. Diese Topographie des "Ganz-Unten", der Barmherzigkeit hat eine ganz besondere Anziehungskraft. Sie führt uns nicht an den Konflikten vorbei, sondern, im Erleiden dieser Konflikte durch Nähe und Präsenz, durch sie hindurch.

Gemeinsam in einer Welt aller für alle zu handeln, also politisch und solidarisch einzugreifen. Das wäre eine gute Zielvorstellung und macht Sinn."

Monsignore Pirmin Spiegel (* 1957) ist seit 2012 Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerkes MISEREOR in Aachen. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer stammt aus einer Bauernfamilie, studierte Philosophie und Theologie und wurde 1986 zum Priester geweiht. Spiegel war 15 Jahre als Missionar in Brasilien tätig, gründete die Familienlandwirtschaftsschule in Capinzal/Lima Campos, die zum Modell für eine Reihe ähnlicher Einrichtungen wurde und war u. a. für die Ausbildung von Laienmissionaren in Bundesstaat Maranhão zuständig.


Heute (16.09.2016) startet die diesjährige "faire Woche", die Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland.

Foto: pd MISEREOR
16.09.2016


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