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Sinn-Kostprobe Nr. 97: "Mein Dorf, seine Bewohner und meine Familie"


Sanja Tömmes.

"Was finden Sie sinnvoll im Leben?", fragen wir Sanja Tömmes, Kommunalpolitikerin aus Baden-Württemberg.

"Als man mich fragte, ein paar Zeilen zu schreiben, was für mich "Sinn macht", musste ich nicht lange überlegen. Ich setze mich für ein Dorf und dessen Bewohner ein. Und da ich selbst Bewohnerin dieses Dorfes bin, setze ich mich gleichzeitig auch für mich und meine Familie ein. Das macht Sinn.

"Der Sinn des Lebens besteht darin, andere glücklich zu machen, um selbst glücklich zu sein." Das heißt für mich, nur wenn es der Gemeinschaft – also jenen, die dazugehören möchten – gut geht, dann kann es jedem Einzelnen darin gut gehen! Das macht Sinn.

Und diese Gesamtheit muss man auch sehen: Eine Gesamtheit von Individuen! Ich lebe in einem Ort mit 2.500 Einwohnern, auch Menschen anderer Herkunft. Wir haben das als selbstverständlich gesehen und erst im letzten Jahr – als die Flüchtlinge zu uns kamen – gemerkt, dass nicht nur für Flüchtlinge Integrationsprojekte gestartet werden müssen, sondern auch für Menschen, die schon längere Zeit in unserem Dorf leben oder erst zugezogen sind. Trotz zahlreicher Freizeitangebote in Vereinen, haben viele den Anschluss an die/unsere Gemeinschaft nicht geschafft. Diesen Zustand konnten wir so nicht lassen und haben deshalb keine "Flüchtlings-Projekte", sondern "Integrations-Projekte" gestartet. Seit einiger Zeit gibt es jeden Monat jeweils ein Integrationscafé (KaffeeKULT) und ein Integrationskochen (KochKULT). Hier kann man gemeinsam – ohne Zwänge und egal welcher Herkunft – zusammen sein und sich kennenlernen. Das macht Sinn.

Als Politikerin auf unterster Kommunalebene sehe und erlebe ich Dinge, die Politiker auf höherer Ebene überhaupt nicht erfahren können, weil ihnen dafür die Zeit oder manchmal auch die Nähe zu den Menschen fehlt. Ich versuche diese Erfahrungen nach oben weiterzugeben. Das ist oft ein schwerer Kampf … aber es macht Sinn.

Meine Kinder möchte ich nicht immer nur auf die Zukunft hinweisen, sondern sie im Jetzt und Hier stärken und ihnen ermöglichen, einfach glücklich und unbeschwert zu sein. Ihnen zeigen, dass das Leben wertvoll ist, sie daran erinnern, dass Gott und unser Glaube auch einen Platz darin finden können, wenn wir es zulassen. Das macht Sinn."

Sanja Tömmes wurde 1973 in Varazdin/Kroatien geboren und kam als Dreijährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Aufgewachsen in Stuttgart, lebt sie heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Kehl-Auenheim, einem Dorf mit 2.500 Einwohner*innen in Baden-Württemberg. Die gelernte Fremdsprachenassistentin ist seit 2014 Ortsvorsteherin ihres Wohnortes.

Foto: privat
09.09.2016


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