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Sinn-Kostprobe Nr. 92: "Dem Regen beim Regnen zuschauen."


Petra Reiter.

"Was ist für dich im Urlaub sinnvoll?", fragen wir Petra Reiter, KAB-Sekretärin und Schottland-Reisende aus Weilheim/Bayern.

"Ab 100 Tage vor dem Urlaubsstart markieren kleine grüne Zahlen in meinem Kalender den Countdown. Manche Menschen denken, ich sei einfach nur ein bisschen verrückt. Andere meinen, ich würde vielleicht eine sensationelle Expedition planen.

Oh nein, nichts Aufregendes. Gar nicht. Eher das Gegenteil. Total Runterkommen.

2014 waren wir das erste Mal in Schottland. Seither jedes Jahr wieder und jedes Jahr an einem anderen Eck. Ich fahre von der Fähre runter und im gleichen Moment auch mich selbst. Die Straßen enger, schlechter, staubiger, die Verkehrsteilnehmer freundlicher und gelassener, zahlreicher die vierbeinigen und paarhufigen als die motorisierten zwei- und vierrädrigen. Vorfahrt haben die Vierbeiner. Immer. Und ein Schaf kann langsam, sehr langsam die Straße überqueren. Oder auch einfach stehenbleiben. Begegnungen mit Kühen sind seltener, laufen aber nach dem gleichen Ritual: Motor aus. Warten. Landschaft bewundern. Warten. Bis das Viech von der Straße runter ist.

Und der Regen? Ja gibt’s. Oft. Regen ist das Beste im Urlaub. Er bewahrt mich davor, jeder Sehenswürdigkeit und jeder Radtour hinterher zu hecheln. Das sensationellste Licht ist wenige Sekunden vor dem Wolkenbruch, wenn die Sonne ein letztes Mal durch die dunkle Wolkenwand bricht und gleißendes Licht auf weiße Mauern oder Schaumkronen im Wasser wirft.

Wenn’s regnet, kann ich einfach gar nichts tun. Und dem Regen beim Regnen zuschauen."

Petra Reiter (* 1970) ist Diplom-Pädagogin und Mediatorin. "Das Buch "Sammler der Augenblicke" von Quint Buchholz hat mich inspiriert, besondere Augenblicke – wie die in Schottland – auszukosten und zu sammeln", sagt sie. Reiter arbeitet als KAB-Referentin in Weilheim. Für den KAB-Diözesanverband Augsburg hat sie das Qualifizierungsprojekt "Betriebliche Burnoutbotschafter" entwickelt. Sie lebt mit ihrer Familie in Weilheim.


Foto: privat
05.08.2016


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