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Sinn-Kostprobe Nr. 90: "Fremdsein auf Zeit"


Iris Macke.

"Was gehört für Sie zu einem sinnvollen Leben?", fragen wir Iris Macke, Redakteurin bei "Andere Zeiten" in Hamburg.

"Zu einem sinnvollen Leben gehört für mich die Fähigkeit, meine Blickrichtung wechseln zu können. Das kann ich am besten im Urlaub, wenn ich verreise. Da begebe ich mich bewusst in eine fremde Umgebung. Da bin ich auf andere angewiesen. In Griechenland zum Beispiel kann ich nicht einmal die Schriftzeichen lesen. Ich kenne die Umgebung nicht, Kultur und Lebensart sind neu für mich. Was für ein Gegensatz zum eingespielten Alltag. Meine eigene Hilfsbedürftigkeit erfahren zu haben, macht mich selbst hilfsbereiter.

Mein Fremdsein im Urlaub ist ein Fremdsein auf Zeit. Millionen Menschen machen derzeit andere Erfahrungen mit der Fremde. Da geht es um das blanke Überleben. Diese Menschen brauchen Hilfe. Von anderen, die bereit sind, sich in ihre Lage zu versetzen. Die vielleicht selbst schon erfahren haben, was es heißt, fremd zu sein. Und sei es nur im Urlaub.

Nur wenn ich bereit bin, die Perspektive zu wechseln, können Beziehungen gelingen. Können wir Gemeinschaft leben. Solch eine Gemeinschaft gehört für mich zu einem sinnvollen Leben."

Iris Macke (* 1973) ist Theologin und Journalistin. Seit über zehn Jahren ist sie Redakteurin beim ökumenischen Verein "Andere Zeiten", der Initiativen zum Kirchenjahr publiziert. Dort ist sie projektverantwortlich für den Kalender "Der Andere Advent", der seine Leser*innen mit Texten und Bildern durch die Advents- und Weihnachtszeit begleitet (www.anderezeiten.de). Iris Macke lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einem Dorf in der Nähe von Hamburg.


Foto: pd
15.07.2016


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