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Sanfter Tabubruch der KAB Oelde
Oelde. "Oma Rosa, ich habe das Gefühl, dass niemand mir sagen will, dass ich sterben muss", beklagt sich der leukämiekranke Junge Oskar (Wolfgang Lange) bei der alten Krankenschwester Rosa (Gabi Lauenstein). Die Mitglieder der KAB St. Johannes Oelde haben die Erzählung "Oskar und die Dame in Rosa" von Eric-Emmanuel Schmitt im Rahmen einer Lesung vorgetragen. Die Zuschauer wurden im Paulusheim mit dem Thema "Krankheit und Tod von Kindern" konfrontiert.
"Das Stück Oskar und die Dame in Rosa ist beeindruckend", sagt Inge Hoberg, Mitglied der KAB St. Johannes und Initiatorin des Projektes. Die Idee, das Werk als Lesung aufzuarbeiten, war den KAB-Mitgliedern nach einer Theateraufführung des Stücks in Bielefeld gekommen. "Krankheit und Tod von Kindern werden in unserer Gesellschaft tabuisiert. Wir wollten diese Bereiche aufarbeiten, sie zugänglicher machen", erklärt Inge Hoberg. Kinder hätten oft eine andere Einstellung zum Tod. Sie gingen anders mit ihrem Schicksal um, als Erwachsene.
Oskar ahnt, dass er sterben muss. Der Zehnjährige liegt im Krankenhaus und leidet unter der Tatsache, dass niemand mit ihm über sein Schicksal reden möchte. Selbst seine Eltern schweigen. Sie lügen sogar, statt ihm die Wahrheit zu sagen, denn beide wissen nicht, wie sie mit der Krankheit und dem bevorstehenden Tod ihres Sohnes umgehen sollen. Halt findet der Junge bei einer Krankenschwester, die er liebevoll Oma Rosa nennt. Durch sie lernt er den lieben Gott kennen und beginnt, Briefe an ihn zu schreiben. Der Glaube gibt ihm Kraft. Außerdem lebt er von nun an jeden einzelnen Tag so intensiv, als altere er an ihm um 10 Jahre. So durchlebt er in 12 Tagen ein langes Leben. Kurze Zeit später stirbt Oskar an seiner Krankheit.
Seit August hatten die Mitglieder der KAB St. Johannes regelmäßig geprobt. Neben der Lesung erarbeiteten die Teilnehmer auch einen Lebensweg zu der Erzählung. Dieser stellte bildlich Oskars Lebensabschnitte, die er im Schnelldurchlauf erlebte, dar. So waren auf dem Weg Stationen zu seiner Taufe, seiner Jugend, seiner Heirat, dem Altern und schließlich seinem Tod veranschaulicht.
Musikalisch begleitete Thomas Bömler das Projekt. Durch leichte, nachdenkliche Töne untermalte er Eric-Emmanuel Schmitts Werk. Dass die Lesung Erfolg haben würde, zeichnete sich schon zu Beginn ab. Vor hundert Zuschauern verkörperten Wolfgang Lange und Gabi Lauenstein ihre Rollen überzeugend. Die Zerrissenheit zwischen Trauer und Freude, Hoffnung und Enttäuschung setzten die beiden gekonnt um. Am Ende der Veranstaltung wurde um Spenden für das Kinder- und Jugendhospiz "Balthasar" in Olpe gebeten.
Text: Jana Hövelmann, Die Glocke, Lokalredaktion Oelde
Foto: Dennis Rose













