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Eine Art Sippentreffen.
Haltern am See. "Lieber Gustav, du bist nicht nur ein KAB-Urgestein, sondern auch ein Fossil eines Sozialstaates, der sich täglich Verschlimmbesserungen gefallen lassen muss." Pfeilspitz und augenzwinkernd war sie, die Laudatio von Martin Peters, KAB-Rechtssekretär, für den scheidenden Chef Gustav-Hermann Peters bei dessen "historischer Feier" im Könzgen-Haus in Haltern. Historisch, weil "Verabschiedungsfeiern in die Freistellungsphase der Altersteilzeit, wie wir sie heute erleben dürfen, wird es in naher Zukunft nicht mehr geben." Schließlich sei im Koalitionsvertrag zu lesen, dass die Altersteilzeit über 2009 hinaus nicht gefördert würde. Ob Politik oder "Kirchens" oder Ex-Chef – alle bekamen sie die ein oder andere Nettigkeit von Martin Peters mit auf dem Weg. Sei es die Erinnerung an "den unerschütterlichen Willen etwas zu bewegen" vom Chef oder die Besonderheit bei Kirchens, ganz normale Kollegen zu Chefkollegen zu befördern. Chef Gustav-Hermann Peters habe allerdings gezeigt, so der Kollege Martin Peters, "dass es möglich ist, ganz Chef und trotzdem Mensch zu sein." Das Publikum und der ehemalige Chefkollege Gustav-Hermann Peters waren begeistert – und überhaupt wurde viel gelacht und viel gescherzt bei dieser Verabschiedungsfeier für den langjährigen KAB-Diözesansekretär.
Freudenrufe über viele Köpfe hinweg vermischten sich mit Sektglasklirren und munterem Plaudern in der großen Eingangshalle des Könzgen-Hauses in Haltern am See, in der sich am vergangenen Samstag (16.01.2010) rund 140 Gäste versammelt hatten. Noch mehr Umarmungen, Küsschen rechts und links … alles war ein bisschen wie eine Art "Sippentreffen" mit weit verzweigten Familiensträngen, die sich jahrelang nicht mehr gesehen hatten: KollegInnen – hautamtliche und ehrenamtliche, aktuelle und verflossene – , Freunde und Freundinnen, Weggefährten aus allen Zeiten und Gefilden, Bündnispartner aus Politik, Deutscher Rentenversicherung und Nachbarverbänden, Repräsentanten des Bistums und natürlich die "echte Familie".

Der Ort war so familiär wie die Feier – die HVHS Gottfried Könzgen in Haltern am See. Das Bildungshaus von KAB und Christlicher ArbeiterInnenJugend (CAJ), das Gustav-Hermann Peters in und auswendig kennt und dessen Trägervereins-Vorsitzender er jahrelang war.
Keine Abschiedsfeier ohne Würdigung. Bernhard Bockhorst, Diözesanvorsitzender machte den Anfang: "Die zwei großartigsten Tage in deinem Leben, lieber Gustav, sind: Der Tag, an dem du geboren wurdest und der Tag, an dem du deine Gesinnung, deine von Gott geschenkten Talente umgesetzt hast." Bockhorst rief den Gästen den hauptamtlichen Werdegang von Gustav-Hermann Peters in Erinnerung. Der Weg begann 1969 als CAJ-Bezirkssekretär in Oldenburg, führte über die Stationen als Sekretär bei der Jungen Gemeinschaft (JG) zur KAB nach Recklinghausen und schließlich 1996 nach Münster, wo er als Diözesansekretär bis 2009 tätig war. Seit 2006 arbeitete Bockhorst mit Peters in der Diözesanleitung der KAB. Neben den vielen warmherzigen Worten, die Bernhard Bockhorst für das Wesen des scheidenden Kollegen fand, lobte er dessen Gradlinigkeit, Kollegialität und Kompetenz: "Du bist kenntnisreich, fleißig, und ein gebildeter Mensch – und das ohne Studium. Da kann man mal sehen, was die KAB aus einem machen kann."
In zwei lockeren Talkrunden, moderiert von Michael Schäfers, Grundsatzreferenten der KAB Deutschlands, erzählten WeggefährtInnen aus diesen 40 Jahren – von Peters als jungem Wilden in CAJ und KAB, von Bierdeckel-Marxismus und seiner tiefen Spiritualität, von Visionen aus der Jugendarbeit und Realem aus der Erwachsenenwelt. Ein Hauch der 70-er Jahre durchschwebte zwischenzeitlich den Raum und ließ den frischen Altersteilzeitler Peters noch einmal ganz jung werden. Die ganze Talkrunde atmete Engagement, Freundschaft und Hochachtung für einen sehr besonderen Kollegen. "Ich war nie ein Einzelkämpfer", sagte denn auch der viel Gelobte in seinem Schlusswort. "Ich war immer eingebunden in ein Leitungsteam, hatte immer gute ehren- und hauptamtliche MitarbeiterInnen um mich. Schneidet euch von dem an mich geäußerten Dank eine dicke Scheibe ab!"
Die Feier war - wie Gustav-Hermann Peters nahezu 40-jähriges Verbands-Berufsleben – vielfältig ohne beliebig zu sein. Sie war lebendig – manchmal still, manchmal laut, Steifheit suchte man vergeblich, beim Gottesdienst waren neben dem zelebrierenden Diözesanpräses Michael Prinz viele Menschen in verschiedenen Diensten beteiligt. Beim offenen Singen mit der Musikerin Vera Gehling wechselten nachdenkliche Lieder mit deutsch-englischen Gassenhauern der Jugendzeit und zeitlose Arbeiterlieder … und: "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …" Für Gustav-Hermann Peters beginnt nun die große Zeit-Freiheit des Unruhestands.
Er wird sie genießen, seine Frau Maria auch … und die KAB lässt ihm gerne die 100 Tage Zeit, sich daran zu gewöhnen … und freut sich dann auf einen ehrenamtlichen jungen Wilden. Gustav Hermann Peters. Bis bald wieder!
Text: Heike Honauer
Fotos: Monika Thies













